Würde mich mein Hund verteidigen? / Will my dog protect me?

Würde mich mein Hund verteidigen?

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(Hier finden Sie zwei Artikel die das gleiche Thema behandeln. Inspirirt von zwei weiteren Berichten die in den BV-Nachrichten `98 erschienen, haben wir hier das Thema aufgegriffen und abgehandelt).

 1.)

Würde mich mein Hund verteidigen?

Es gibt viele verschiedene Gründe die Menschen bewegen sich einen Hund anzuschaffen. Neben Hunden die im behördlichen Gebrauch sind (Rettungshunde, Polizeihunde, Militärhunde etc.) gibt es eine Unzahl Hunde die im privaten Besitz stehen und eine Arbeitsaufgabe erfüllen sollen. Eine dieser Aufagaben will ich hier abhandeln, die Aufagabe des privaten Schutzhundes. Die meisten Käufer von größeren Hunderassen haben den Wunsch ihr Hund möge sie gegen Angriffe verteidigen.

Dieser Wunsch ist nicht nur von Käufern von Gebrauchshunden aus Leistungszucht ausgeprägt, sondern vielmehr bei allen Käufern und Besitzern nahezu aller Rassen und Mischlingen. Gerade Frauen haben oft ein unerschüterliches Vertrauen in die Wehrfähigkeit ihres Hunde. Man hört oft die Aussage der Hund werde schon wissen wann er Frauchen zu beschützen hat, er wird dann ganz intuitiv reagieren und seinen Besitzer, zur Not mit dem eigenen Leben, verteidigen. Dieser Wunsch entspricht natürlich, in den aller meisten Fällen, nicht der Realität und ich wünsche diesen Menschen nur das sie um Himmels Willen nie in eine wirklich gefährliche Situation geraten!

Doch dieser Irrglaube basiert nicht nur auf eine grobe Fehleinschätzung der eigenen Hunde sonder auch auf die vielen Fehlinformationen die man aus den unzähligen Hundebüchern erhalten kann, da hat man beim lesen der vollmundigen Rassebeschreibungen schon schnell das Gefühl das nahezu alle Rassen ihre Besitzer verteidigen würden.

Viele Züchter von angeblichen Schutzhundrassen, Herdenschutzrassen und Molosserrassen erzählen ihren Welpenkäufern auch gerne das sie auf keinen Fall mit ihren Welpen eine Schutzhundausbildung absolvieren sollen, da der Hund sonst scharf werden würde und vielleicht zu einer angriffslustigen Bestie motieren wird. Der Hund werde sie schon zuverlässig beschützen da es im Erbgedächnis der Rasse tief verwurzelt sei!?! In Wirklichkeit ist es wohl eher so das die Züchter nicht wollen das die von ihnen gezüchteten Hunde auf dem Hundeplatz als absolut untauglich etlavrt werden könnten. Und falls doch mal einer ihrer Hunde auf seine Wehrfähigkeit hin überprüft und für untauglich befunden wurde, ist man natürlich auch nicht um Ausreden verlegen wie z.B. “…der Hund würde die inzinierte Situation erkennen und würde somit nicht auf das Theaterspiel reagieren… etc..”.

Viele Hundebesitzer erzählen auch ganz stolz das ihr Hund ihnen bereits totsichere Indizien geliefert hätte das er sie im Ernstfall verteidigen würde. Wenn man dann mal genauer nachfragt hört meistens nicht das der Hund bei einer echten Notwehrsituation tatsächlich einen Angreifer gebißen hätten, sondern meistens Ausagen wie “…der Hund würde den Postboten anhaltend verbellen…, ….der Hund würde immer bellend hinter jedem Jogger und Radfahrer herjagen…, ….der Hund empfängt sämtliche Menschen die ihm entgegen kommen mit Knurren und aufstellen der Rückenhaare…, …wenn Fremde den Hund anfassen wollen zeigt er die Zähne…”!!!!

Diese Beispiele sind sicher auch für den interessierten Laien so leicht zu zerpflücken und zu wiederlegen, dass wir sie hier nicht extra behandeln wollen.

Ganz klar muß man sagen das die Schutzwirkung durch einen Hund natürlich an der Stärke des Angriffs gemessen werden muß. Ein Hund hat sicherlich in sich schon einen gewißen Schutzfaktor. Wo man mit einem großen und vielleicht bellenden Hund schon so manchen potentiellen Angreifer beeindrucken kann braucht man zur Abwehr eines wirklich aggressiven Angreifers schon einen Hund der wirklich beißt! Wenn man dann noch von mehreren, vielleicht auch bewaffneten, Tätern ausgeht braucht man schon einen genetisch hochveranlagten und sehr gut ausgebildeten Hund. Man muß auch in aller deutlichkeit sagen, dass ein Schutzhund der zwar gerne austeilt aber nicht einstecken kann natürlich auch nicht als geeignet zu bezeichnen ist. Der Hund muß neben seinem Wehr- und Schutztrieb natürlich auch ein hohes Maß an Härte mitbringen, da es für den Angreifer sonst ein Leichtes wäre ihn durch Schläge und Tritte zu vertreiben. (Allerdings ist auch der beste Personenschutzhund durch einen noch stärkeren Angriff auszuschalten, z.B. Schußwaffeneinsatz).

Einen genetisch so veranlagten Hund (egal welcher Rasse), der vom Wesen her in der Lage ist  sie wirklich zu verteidigen, finden sie ausschließlich bei einem Züchter der genau auf diese Eigenschaften züchtet!

Für einige Leute mag die Vorstellung eines konsequent verteidigenden und hart beißenden Hundes ein gewißes Unwohlsein hervorrufen, da sie bei ihrer bevorzugten Vorstellung eines Schutzhundes lieber einen Hund sehen würden der allein durch seine aüßere Abschreckungswirkung schützt. Allerdings sollten diesen Leuten klar sein das nur ein wirklich mutiger, triebstarker und harter Hund auch wirklich einen echten Schutz dastellt. Bei einem echten Angriff hat der Hund eigentlich nur die Wahl zuzubeißen oder wegzulaufen, alles andere sind Wunschvorstellungen!

Ich selbst bin absolut gegen Hunde die nur blenden und nicht wirklich schützten. Ein bißchen Schutzhund geht nicht oder ist zumindest nicht sinnvoll. Man muß sich klar überlegen wofür man einen Schutzhund braucht. Gerade erwachsene Männer brauchen sicher keinen Schutzhund der sie gegen freche Teenager oder betrunkene Landstreicher verteidigt, noch dazu wäre das auch absolut nicht gesetzeskonform. Ich würde immer lieber einen Hund sehen der absolut nicht verteidigt dafür aber ein absolut freundlicher Begleihund ist, als einen linksliegenden Köter der mit viel Schärfe eine große Show macht und vielleicht auch schwache Gegner attakieren würde aber einem starken Gegner sofort das Feld überlässt. Denn so ein Hund ist sicher tausendmal gefährlicher als ein mutiger, selbstbewuster und voll ausgebildeter Personenschutzhund. Ein umwelttauglicher Schutzhund sollte eine mittlere Reizschwelle gepaart mit hoher Belastbarkeit, guten Nerven und ein starkes Durchsetzungsvermögen aufweisen.

Das ein unsicherer und ängstlicher Hund nicht geeignet ist wird wohl den meisten Lesern klar sein, aber auch ein überaggressiver, angriffslustiger Hund mit niedriger Reizschwelle ist heutzutage ebenfalls nicht zu gebrauchen, da dieser Hund in der Öffentlichkeit kaum geführt werden kann, da immer die Gefahr besteht das der Hund überreagiert und somit vielleicht eine eigentlich friedfertige Person beißen könnte. Und einen Hund den sie nicht im alltäglichen Leben mit sich führen können müßen sie zwangsweise zu Hause im Zwinger oder in der Wohnung lassen, da sie so von ihm längere Zeit des Tages getrennt sind kann er sie schließlich auch nicht beschützen!

 Gute Personenschutzhunde sind absolut familien- und umwelttauglich! Gerade unsere “Alanos/Dogo Canarios FCI” demonstrieren immer wieder ihr gutes Balancewesen indem sie einerseits total kinderlieb, offen und freundlich sind und andererseits auch die Veranlagung und die Nerven haben um ihre Familie sicher zu verteidigen.

Jetzt wird sich der interessierte Leser sicherlich langsam fragen ob private Hunde überhaupt schützen (beißen) dürfen? Die Antwort ist Ja, solange die geltenen Notwehrgesetzte beachtet werden (§32StGB und §227BGB: 1. Eine durch Notwehr gebotene Handlung ist nicht strafbar. 2. Notwehr ist diejenige Verteidigungshandlung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich oder anderen abzuwenden. Darunter ist zu verstehen, daß man bei einer Verteidigungshandlung die Verhältnismäßigkeit der Mittel beachten muß). Auch der Hund darf die Notwehrhandlung für seinen Hundeführer oder auch für andere, in Gefahr befindliche Personen

 , leisten. Der Hund muß sich aber genau wie ein Mensch an die Notwehrgestze halten, da der Hund natürlich nicht in der Lage dazu ist auf die gesetzliche Grundlage seines Handeln zu achten muß der Hundeführe reiflich prüfen ob ein Schutzhundeinsatz gerechtfertigt ist bevor er seinen Hund einsetzt. (Also nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen)!

Eine der wichtigsten Fragen die hier sicher auch beantwortet werden muß ist: “Aus welchen Beweggründen verteidigt ein Hund eigentlich”? Die Frage ist garnicht so schlecht, oder? Viele Hundebesitzer glauben das ihr Hund sie bereitwillig verteidigt da sie ihn ja schließlich füttern, pflegen, ihm alle seine Bedürefnisse ewfüllen oder sie ihn  halt schlichtweg lieben und der Hund sie schließlich auch liebe und somit seinen Meuteführer verteidigt. Aber warum sollte eigentlich ein Rudelniedriger Hund seinen Rudelführer (Besitzer) verteidigen, ist es nicht vielmehr so das eigentlich der Rudelführer sein Rudel verteidigen muß und nicht andersherum? Eine Mutterhündin verteidigt ihre Welpen und ein Alpha Rüde verteidigt sein Rudel, richtig aber warum sollte ein Hund seinen viel stärker erscheinenden Besitzer beschützen? Die Antwort liegt eigentlich nicht im viel zitiertem Schutztrieb. Der Schutztrieb erscheint uns Menschen zwar herorisch und irgendwie ritterlich aber in Wirklichkeit ist auf den Hund der aus dem Schutztrieb (basierend auf den Meutetrieb) herraus aggiert nicht viel verlaß, da der Hund um eine körperliche Auseinandersetzung zu bestehen weit mehr als nur Schutztrieb braucht. Der Hund der in einer Notwehrsituation bestehen will darf keine Abneigung gegen die Auseinandersetztung haben, er muß vielmehr sogar Spaß und Freude an der kämpferischen Auseinandersetztung haben. Der aktive Schutzhund ist also vermenschlicht gesagt kein reiner Beschützer und Verteidiger gegen alles Böse, sondern vielmehr einem Raufbold der jeder kämpferrischen Herrausforderung freudig entgegen geht. So ist auch zu erklären das fast alle guten Schutzhunde bei Angriffen genauso verteidigen wenn nicht der eigene Besitzer sondern eine fremde Person den Hund an der Leine führt!
Diese Tatsache zu wissen ist sicher für viele Leser etwas enttäuschend, da sie jetzt die Schutzhunde vielleicht nicht mehr in so einem romantisch und verklärten Blick sehen.

Auch bei der Zucht von Schutzhunden sollte man statt auf den Schutztrieb vielmehr Wert auf Blastbarkeit, Härte, gute Nerven, ausgeprägtes Durchsetzungsvermögen, Umwelttauglichkeit und hohen Beute- u. Wehrtrieb legen.

Im “AVD e.V” achten wir nicht nur bei der Ausbildung sondern auch bei der Zuchtselkektion unserer “Alanos/Dogo Canario FCI” auf diese Eigenschaften, denn der Zuchthund vererbt nicht das Erlernte sondern nur das selbst Ererbte!

Ein weitertes wichtiges Thema ist die Ausbildung. Der wahre Schutzhund muß nicht zwangsläufig ausgebildet werden. (Wobei jeder Schutzhund führig und kontrollierbar sein sollte, das Komando “Aus” ist ein absolutes Muß). Gerade bei unseren “Alanos/Dogo Canario FCI” gibt es eine Vielzahl von Hunden die tatsächlich von Natur aus verteidigen. Ich habe schon viele Male Nachzuchthunde aus unserem Zwinger “De la Arena” erwachsen wiedergesehen und auf ihre Schutzdiensttauglichkeit hin überprüft. Es waren nachweisbar völlig rohe und ungearbeitete Hunde die sofort die Gefahr erkannten und erbittert ihren Hundeführer verteidigten. Es gibt also Hunde die die Fähigkeit als Schutzhund vererbt haben. Diese Hunde stammen zu 99,9% aus Leistungszucht und sind nicht mit ihren anderen Rassevertretern aus Schönheits- oder Schwarzzucht zu vergleichen. Innerhalb einer Schutzhundrassse gibt es extrem große Unterschiede, Rotweiler ist nicht gleich Rotweiler, Alano ist nicht gleich Alano etc.!

Aber eins muß klar rausgestellt werden, der gut veranlagte aber unausgebildete Hund ist einem gut veranlagten und ausgebildeten Hund in seinen Schutzfähigkeiten deutlich unterlegen!

Training ist also nicht unbedingt nötig, schadet aber natürlich nicht, sondern macht den Hund zu einem vielfach besseren, sicherer einsetztbaren und kontrollierbaren Schutzhund.

Ein brauchbarer Schutzhund muß einen guten Gehorsam haben und stehts in voll in der Hand stehen!

Ich spreche hier natürlich die ganze Zeit von einem echten Schutzhund (privater Personenschutzhund) und nicht von einem Sporthund!

Im deutschen Sporthundbereich hat die neue Bezeichnung “VPG-Sport” die alte Bezeichnung “Schutzhund-Sport” eingenommen. Ein Sporthund wird in verschiedenen Bereichen (Fährte, Unterordnung, Schutzdienst) ausgebildet, wobei viel Wert auf exakte Ausführungen gelegt wird. Es wird also auch sportlicher Schutzdienst trainiert, wobei der Hund u.a. lernt auf einen Schutzärmel zubeißen und diesen auf Komando wieder loßzulassen etc.. Diese Ausbildung macht Spaß, schadet nicht und ist sicherlich für viele  Hundeführer ein schönenes Betätigungsfeld. Allerdings hat diese Arbeit so gut wie nichts mit der Ausbildung zu einem echten Schutzhund zu tun. Man sollte besser sagen das auf den Sporthundplätzen Hunde für den sportlichen Wettkampf ausgebildet werden. Diese Hunde müßen Keinen verteidigen, weshalb ich für sie die Bezeichnung “Sporthund” auch weit passender finde als die irreführende Bezeichnung “Schutzhund”.

Um nicht ständig Mißverständnissen aufzusitzen habe ich mir die Bezeichnung “Personenschutzhund” und “Personenschutzdienst” ausgedacht und rechtlich schützen lassen.

Bei der Ausbildung des echten Schutzhundes wird vielmehr auf möglichst realistische Situationen und echtes Verteidigen Wert gelegt. Bei einer seriösen Ausbildung wird der Hund aber keineswegs aggressiv, scharf oder böse gemacht.  (Diese Ausbildung sollte nur von professionellen Hundetrainern durchgeführt werden!!!) Es würde  hier zuweit führen um auf das komplexe Thema der Ausbildung zum  “Personenschutzhund” einzugehen.

Auf die Frage, von Leuten die unser Interesse für Schutzhunde als mitelalterlich abtun, “…ob wir heutzutage überhaupt noch Schutzhunde brauchen?…” Muß ich klar mit Ja antworten, selbstvertständlich bin ich der letzte der meint jeder Hans und Franz müsse sich einem Schutzhund anschaffen. Aber ein Blick auf die aktuellen Kriminalitässtatistiken zeigt einen deutlichen Anstieg an Straftaten (Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Raubüberfälle etc.), das alles lässt mich eher darauf schließen das wir einen weit höheren Bedarf an tauglichen Schutzhunden gebrauchen können als es jemals der Fall war…

Klar höre ich auch manchmal von Hundeführern die meinen “…sie können sich auch ganz gut allein verteidigen…”, was ich auch sehr löblich finde. (Ich zähle mich übrigens selbst auch zu diesen Menschen), obwohl ich auch schon Situationen erlebt habe wo ein Hund goldrichtig plaziert war). Allerdings würde ich deswegen nie soweit gehen und anderen Menschen den legalen Schutz durch ihre Hunde absprechen!

Ich weiß das ich mit diesem Artikel sicher nicht allen den Zahn vom beschützenden Komisar Rex, Lassie und den vielen zottliegen Tierheimwautzis ziehen kann. Aber schließlich hoffe ich doch das sie nie in eine wirkliche Notwehrsituation geraten.

Eine Anschaffung eines Schutzhundes ist nur sinnvoll für Leute die auch Hunde mögen und ihren vierbeinigen Kamaraden auch in allen anderen Bereichen schätzen. Es wäre Quatsch sich nur wegen der Schutzfunktion einen Hund zu kaufen. Schutzhunde sind keine Selbstverteidigungswaffen es sind Lebewesen die noch viel mehr zu bieten haben!

Von Arne Pohlmeyer

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2.)

Würde mich mein Hund verteidigen?

Eine Frage die sich wirklich fast jeder Hundebesitzer stellt. Sehr viele Leute sind der Meinung, dass Ihr Hund dies im Notfall instinktiv machen würde.

Es gibt tatsächlich Hunde, die dies tun- allerdings sind es leider nur sehr wenige. Zumindest wirken die meisten Hunde abstreckend auf Menschen, die etwas Böses im Sinn haben. Von daher ist man (oder Frau) beim Spaziergang  im Wald alleine durch die Anwesenheit des Hundes sicherer unterwegs. Einige Anzeichen gibt es allerdings, die darauf schließen lassen, ob ein Hund im Notfall den Gegner angreift oder ob er aus einigem Sicherheitsabstand seinem Unmut über die Situation durch Bellen kundtut.

Beginnen wir mit Zeichen, die gar nichts darüber aussagen, ob der Hund aktiv wird oder meidet im Falle eines Angriffes auf den Besitzer: -Knurren oder anbellen von Leuten im Dunkeln. -Generelles Brummen und Misstrauen Fremden gegenüber- Anschlagen auf dem Grundstück, Leute “nicht vom Hof lassen” etc.. Das sind also schon mal die häufigsten Dinge, aus denen der Hundebesitzer normalerweise ableitet, das der Hund aktiv verteidigen würde. Wirklich aussagekräftige positive Anzeichen gibt es nicht. Am ehesten davon auszugehen ist bei der Art des Drohens. Geht ein Hund beim Drohen wirklich auf Tuchfühlung mit der unerwünschten Person, boxt evtl. schon mit geschlossem Fang oder beißt dicht neben der Person in die Luft ist die Chance, dass er auch bereit wäre die Zähne einzusetzten, schon größer. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein wirklich gefährlicher Angreifer es in Kauf nimmt, evtl. gebissen zu werden. Für alle anderen “Bösewichte” reicht in aller Regel wie gesagt die Anwesenheit eines größeren Hundes. Der wirklich gefährliche Angreifer wird aber auch aktiv den Hund bedrohen oder angreifen. Hier trennt sich dann abermals die Spreu vom Weizen. Die potentiellen “Wadenbeisser”, die sich schwache Opfer (z.B. Leute die Panik vor Hunden haben) für Ihre Abwehrattacken aussuchen, fallen hier aus. Es kann durchaus reichen, das der Angreifer nur schnell und bedrohlich auf den vermeintlich gefährlichen Wachhund (der evtl. schon mal die Oma auf dem Hof gebissen hat) zu rennt, um ihn zu verjagen. Hat man dagegen einen sehr selbstsicheren, mutigen und starken Hund der sich nicht so einfach verteiben lässt, muss der gefährliche Angreifer in diesem Moment mit einem harten Abwehrbiss rechnen. Hunde, die wirklich einen Angreifer so bremsen, das er komplett kampfunfähig wird müssen ausgebildet werden.

Bei guter Diensthundeausbildung wird das  Beuteverhalten des Hundes so geschult, das er auch in einer echten Situation des agressiven Angriffs auf ihn oder sein Rudel den Menschen fasst und nach dem Einbiss auch eine attraktive Beute im Köper des Angreifers sieht. So gibt es nicht nur einen oder mehrere kurze Abwehrbisse, vielmehr hält der Hund seinen Einbiss und beginnt mit einem kontern und schütteln seiner “Beute”. Es ist davon auszugehen dass der Angreifer nun von seinem Vorhaben Abstand nimmt und sich der unterlegenen Situation ergibt. Ist dies nicht der Fall und versucht stattdessen den Hund dennoch mit Schlägen, Tritten, Waffe oder Schlagstock zu vertreiben ist es extrem wichtig, das der Hund über eine extrem hohe Härte verfügt (was ebenfalls sehr selten ist, selbst unter den Dienshunden der Behörden). Begegnet der Hund z.B. einem harten Schlag mit einem Knüppel durch noch stärkere Kampfhandlung seinerseits, wird der Angreifer sich in dieser Situation doch ergeben, einfach weil er merkt das jegliche Gegenwehr vom Hund durch noch stärkere Kampfhandlung quitiert wird. Auch der psychologische Aspekt selber großen körperlichen Schaden zu nehmen, wenn das Spiel noch weiter getrieben wird, ist nicht zu unterschätzen. (Selbstverständlich muss der Hund eine gewisse Größe und Kopfanatomie besitzen um maximale Wirkung beim Einbiss zu erzeugen). Ein ausgebildeter Hund trennt natürlich auf Kommando dann auch sofort den Biss vom Angreifer.

Fazit: Echten Schutz gegen gefährlichste Angreifer bietet nur ein Hund der beste genetische Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbringt (sehr selten) und darüber hin aus gut ausgebildet wurde.

Eine sogenannte Schutzhund 1-3 ( IPO oder VPG) Ausbildung hat praktisch keinen Einfluss auf den Schutzaspekt beim Hund. Es ist eine spezielle realistische Ausbildung erforderlich, die der Ausbildung der dienstlichen Behörden ähnelt.

Mit einem Hund der evtl. verhaltene Abwehrbisse setzt ist man nicht besser bedient als mit einem großen Hund der einfach bellt oder knurt in einer bedrohlichen Situation. Gegen ernsthafte Angriffe nützen diese Hunde nichts, alle anderen Leute werden durch den psychologischen Effekt eines knurrenden, bellenden Hundes genauso abgehalten.

Wenn Sie als Leser jetzt über diesen Text etwas verblüfft sind – bedenken Sie, das kaum ein Ganove weiß, wie wenige Hunde es doch gibt die wirklich ernsthat verteidigen würden.

Von T.G.