Protokoll eines Todesurteils / Kampfhundewahn / Hinrichtung

Protokoll eines Todesurteils

hundezeitung.de wollte es lang nicht glauben, dass in Deutschland so etwas möglich ist, aber auch die angesehene „Washington Post” notiert denselben Verdacht der systematischen Hunderassen-Eutanasie. Wer die hundezeitung.de von Anfang an gelesen hat, weiss, dass sie auch in den Reihen der Hundehalter schonungslos brandmarkt. Aber hier kommt der Rechtsstaat hinterlistig auf den Hund.

Der Fall:
Den nachfolgenden Text nahm der Tierschutz Gerlach in Hessen mit Genehmigung der betroffenen Halter-Familie zu Protokoll. hundezeitung.de hat nur etwas gekürzt.

Zum Hund: „Baxter” wurde vor achte Jahren im Alter von sechs Wochen gekauft. Mit zehn Monaten wurde er kastriert. 1999 wurde ihm ein Chip eingesetzt. Er war schon fünf Jahre lange bei der Hamburg-Mannheimer versichert, von Anfang an beim Steueramt gemeldet. Er hatte seit September 1999, da er keine Prüfung hatte, einen Maulkorb getragen, mit dem es ihm nach Auskunft der haltenden Familie keinen Spass mehr machte, spazierenzugehen. Er war tagtäglich mit fremden Kindern zusammen. Er wurde von den Nachbarn geliebt. Er ist mit drei Kindern aufgewachsen. Er hat dem Meerschweinchen den Po gesäubert.

Am 18. 7. 00 haben wir per Einschreiben unsere Begründung für die Haltung von Baxter an das Rathaus, an das zuständige Landesministerium und an das Ordnungsamt verschickt. Tags zuvor habe ich mit Herrn Pahlke (Hundeprüfer) telefoniert. Es wurde mir gesagt: „Sie können alles in den Papierkorb werfen, da schon wieder alles offen steht und man am überlegen ist, ob vielleicht Tierärzte die Prüfung verrichten werden.” Ansonsten hätten wir unsere erste Prüfung mit Baxter am 25. 8. 00 gehabt.

Am 31. 7. 00 kam jemand vom Ordnungsamt (10 Minuten nach Ankündigung) zu uns nach Hause und berichtete, dass Baxter schon Mittwochs die Prüfung ablegen sollte, aber spätestens Freitags. Er streichelte Baxter und meinte, dass er keine Probleme mit Baxter sehen würde, da er ja wirklich lieb ist. Wir verblieben auf Freitag, den 4. 8. 00 um 8.45 Uhr in Rambach.

Die Prüfung:
Wir waren pünktlich auf dem Prüfungsplatz. Herr Bayer (Ordnungsamt) und der Prüfer kamen uns direkte entgegen, und man teilte uns gleich mit: wenn der Hund es nicht schafft, würden sie ihn sofort einziehen. Wir hatten keinerlei Bedenken, da wir wussten, dass Baxter sehr zutraulich Menschen gegenüber war. Dass Baxter keine fremden Hunde mag, erzählten wir gleich.

Der Prüfer und ich holten Baxter aus dem Auto, und er wurde direkt mit einem Hund konfrontiert. Ich musste mit meiner Bekannten Baxters Maulkorb abziehen und auf ein Polizeiauto mit drei gereizten und aggressiven Schäferhunden in Käfigboxen zugehen, die Baxter ankeiften. Ich musste Baxter den Käfig hochziehen, so dass alle Hunde sich lautstark erregten.

Danach musste ich mich mit Baxter an die Strasse stellen; Baxter war noch sehr verwirrt. Der Prüfer befahl mir, stehen zu bleiben, so dass er Baxter (ohne Maulkorb) mit seinem Ordner auf die Backen schlagen konnte, und ein- bis zweimal auf den Kopf. Er stiess Baxter mit seinen Beinen hin und her, aber alles das störte unseren Baxter nicht. Auch Schocker, Fahrradfahrer und Passanten störten unseren Hund überhaupt nicht. Nach 7 – 10 Minuten war die Prüfung dann vorbei, und ich musste den Maulkorb wieder anziehen, und wir sind zurück zu Herrn Bayer gelaufen.

Der Prüfer und Herr Bayer zogen sich zurück, und dann kam das niederschmetternde Ergebnis des Prüfers: „Ihr Hund hat ein aussergewöhnliches, vorbildliches Verhalten Menschen gegenüber, das ist zweifellos. Er hat aber ein auffälliges aggressives Verhalten gegen andere Hunde, uns somit müssen wir ihn als gefährlich einstufen.” Man müsste damit rechnen, dass Baxter mal aus der Tür entschwindet und auf andere Hunde losgeht (ich acht Jahren nie vorgekommen), und das wäre unverantwortlich.

Unser Baxter wurde sofort beschlagnahmt, und wir mussten ihn an einen Zaun binden. Herr Bayer und der Prüfer erklärten uns, dass wir keine Chancen hätten, Baxter wieder zu bekommen und er Mittag eingeschläfert wird. Herr Bayer meinte, dass wir zum Gericht fahren sollten und um ein Stopverfahren bitten sollen, denn Baxters Zeit sei knapp. Wir hätten Baxter aber trotzdem nicht ausgehändigt bekommen, denn das hätte geheissen, dass Baxter wochenlang eingesperrt hätte sein müssen, ohne seine Familie.

Auf die verzweifelte Bitte hin, dass wir Baxter bei seiner Tierärztin einschläfern lassen um bei ihm zu sein, meinte Herr Fröhlich, der Veterinär, dass das nicht ginge, da die Tierärzte anonym bleiben müssen, und er würde schon darauf achten, dass alles seine Richtigkeit beim Einschläfern habe.

Uns liegt noch immer Baxters Weinen und Bellen in den Ohren, der die Welt nicht mehr verstand, als wir ihn angeleint am Zaun zurücklassen mussten. Uns ist ein Familienmitglied weggerissen worden. Uns steht das schlimmste noch bevor: Unser jüngster Sohn weiss nicht, dass Baxter tot ist.

Er glaubt, er sei in einer Tierklinik. Wir hatten noch nicht die Kraft, es ihm zu sagen.

Das Behördenurteil:
Die Allgemeine Ordnungsbehörde Wiesbaden schrieb an Frau K. St. In Wiesbaden am 4. 8. 00 unter anderem: „Der sich in Ihrem Eigentum befindliche Hund „Baxter” wird nicht mehr an Sie herausgegeben. Die schmerzfreie Tötung des Hundes wird angeordnet. Die sofortige Vollziehung der Verfügung wird gemäss § 80 Abs. 2 Ziffer 4 der Verwaltungsgerichtsordnung vom 19.3.1991 in der zur Zeit gültigen Fassung angeordnet. Die aufschiebende Wirkung eines etwaigen Widerspruchs entfällt somit.

Begründung: Ihr Hund wurde heute gutachterlich untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass das Tier eine äusserst gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Tieren aufweist. Ein entsprechendes Gutachten eines Sachverständigen liegt uns vor. Im Rahmen der sofortigen Vollziehung kann gemäss § 28 Abs. 2 Nr. 1 Verwaltungsverfahrensgesetz auf eine Anhörung verzichtet werden, da in dieser Angelegenheit Gefahr im Verzug vorliegt und somit das öffentliche Interesse zu schützen ist.

Die Zeugin:
Hiermit möchte ich, Frau H. U., schriftlich bestätigen, dass der Hund Baxter auf Grund dessen, weil er sich stark erregte, da Frau K. St. Ihn an einem Kombi mit drei Schäferhunden hochziehen musste, die Prüfung nicht bestand. Ich war an der Prüfung, die höchstens 10 Minuten ging, anwesend. Ich bezeuge hiermit die Worte des Prüfers: Ihr Hund ist Menschen gegenüber vorbildlich, und es könnte gar nicht besser sein. Aber er hat Hunden gegenüber Aggression gezeigt, und somit müssen wir ihn als gefährlich einfstufen.” Ich kann nur sagen, dass Baxter ein liebenswürdiger und vertrauensvoller Hund war.

Die Kinder:
Die Familie St. schrieb zum Schluss an den Tierschutz: Unser Sohn Marvin (10) weiss jetzt, dass Baxter nicht mehr lebt. Er versucht mit seiner Trauer allein klar zu kommen. Er nimmt zum Beispiel Baxters Leine mit ins Bett. Meine Tochter Selina (14) nimmt Baxters Decke mit ins Bett und mein Tochter Nadine (17) schläft nachts mit Baxters Halsband fest in der Hand ein. Unsere Kinder wollen für uns stark sein, aber wir wissen, dass sie sehr leiden…