Kurz-Portrait des Kynologen Rudolf Sewerin.

Rudolf Sewerin

Gegen eine deutliche innere Widerstrebung, habe ich mich heute entschlossen einen kurzen Bericht über Rudolf Sewerin zu verfassen. Obwohl ich diesem Mann seine wohlverdiente Ruhe lassen möchte, versuche ich hier möglichst neutral ein paar Zeilen zu verfassen.

 

Dies soll also kein Versuch sein Rudolf Sewerin wieder einmal in das Scheinwerferlicht zu drücken, sondern eher eine Stellungsnahme unsererseits auf die ganzen Geschichten und Fragen, die ständig an uns heran getragen werden.

Kaum ein Mann in der deutschen Welt des Alanos (Perro de Presa Canario/Dogo Canario FCI) ist so umstritten wie Herr Rudolf Sewerin. Sicher gibt es hier und da auch einige Punkte die den Bereich der Ansichtssache verlassen, doch will ich gleich vorweg erwähnen, dass über Rudolf Sewerin weit mehr Unfug, erfundene Geschichten und Lügen im Umlauf sind, als über meine Person und das soll schon etwas heißen, den auch wir werden ständig von Neidern verunglimpft und denunziert.

Ich lernte Rudolf Sewerin erst in den 90er kennen.

Nach langer Suche nach geeigneten Dogo Argentino Zuchtmaterials, entdeckte ich plötzlich den Vater des Dogo Argentinos den spanischen und kanarischen Alano. Ich hatte immer wieder von ihm gehört, da auch die Argentinier immer davon berichtet hatten, dass die Urform des DA diese alte spanische Dogge war. Ich wälzte alle Berichte und Artikel die ich auftreiben konnte. Ich sah in Tierschutzzeitungen einige Perro de Presa Canarios (Alanos) die in Tierheimen in Lanzarote saßen, war mir aber unsicher ob ich mir mit so einem Tierheim-Hund einen gefallen tun würde, als ich plötzlich eine Anzeige laß”… Alano Entdecken Sie eine alte Rasse neu …” die Anzeige war ohne Bild oder weitere Hinweise auf einen Molosser, doch ich kannte zu diesem Zeitpunkt ja bereits die Geschichte und die Geschichten vom alten spanischen Alano. Nach einem kurzen Telefonat stellte sich heraus das Sie vom deutschen Pionier Rudolf Sewerin in seiner Funktion als erster Vorsitzender des Alano Club/Presa Canario Club e.V. stammte, den ich bei der Suche nach guten Dogo Argentinos schon vorher einmal aufgetan hatte.

 

Nach meinen klaren Aussagen, was ich von einem Alano erwarten würde in Punkto Wesen und Leistung war ich verwundert über das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Zuchthunde, was hier Herr Rudolf Sewerin zeigte. Ich war es vom Dogo Argentino gewöhnt das bei konkreten Fragen nach Wesen und Leistung die Züchter doch erheblich ins Schwanken und Rausreden gerieten. Doch Rudolf Sewerin schien sehr überzeugt von der Qualität seiner Presas zu sein. Er bot mir am Telefon gleich an das ich seine Alanos vorgeführt bekommen werde, sie genau unter die Lupe nehmen könnte und das auch im Schutzdienst. Das war ja mal ein Wort!

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch sehr jung, behaupte aber dennoch genügend Erfahrung und Wissen über Hunde und ihre Ausbildung gehabt zu haben. Wie Rudolf  Sewerin, den ich wie viele andere immer nur als Rolf ansprach, darüber dachte weiß ich nicht. Allerdings ist mir in diesem Zusammenhang eine Aussage die Rolf über Thomas Schulz einmal kund tat noch gut in Erinnerung: …”Alter alleine ist keine Tugend. Schließlich kann man auch 30 Jahre etwas falsch oder garnicht machen”…

Ich machte einen Termin mit ihm der noch eine Weile hin war.

Vor unserem Termin traf ich noch einige deutsche Cane Corso- und “Presa Canario”-Züchter, die aber alle nicht über eine für mich ansprechende Qualität verfügten. Sie hatten meist Mischlinge, kranke Hunde oder Hunde die bei Rudolf Sewerin ausselektiert und weiter verkauft worden waren.

Letztendlich habe ich mir auch einige Alanos aus dem Zwinger des Presa Canario Club e.V. “Matarife” zugelegt. Im nachhinein muss ich immer noch sagen, dass der Kauf bei Rudolf Sewerin die richtige Wahl war, den alle anderen Presa Canarios / Alanos die ich in Deutschland gekauft habe, habe ich später weitergegeben, da sie für mich alle untauglich waren. Alle Exemplare die ich von Rudolf Sewerin erworben habe, sind auch bei mir zu Haus geblieben. Neben vielen Importhunden, haben wir also auch einen Teil unserer Zucht auf Hunde des Rudolf Sewerin aufgebaut.

 

Ich und einige andere Freunde von heute waren auch Mitglied in dem von Rudolf Sewerin geleiteten Club.

Nun ist es aber so, dass ich hier nicht uns sondern Rudolf Sewerin vorstellen will.

Um wertfrei und emotionslos zu bleiben, mache ich hier eine eher kurze oder knappe Zusammenfassung seiner kynologischen Eckdaten und lasse alles Private raus:

Rudolf Sewerin wurde als Sohn eines Tierarztes geboren und beschäftigte sich seit seiner Jugend mit Tieren. Sein Vater züchtete mit Unterstützung seines Sohnes Whippets und Dackel. Die Whippets sollen nach Angaben von Rudolf Sewerin sogar auf Leistung selektiert worden sein, was sie wohl bei Rennen unter Beweis stellten.

Rudolf Sewerin begann früh mit der Ausbildung von Gebrauchshunden. Er erhielt vom VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) die höchste Auszeichnung für Ausbildungserfolge die es im VDH gab.

 

Rudolf Sewerin gründete eine Rettungshundestaffel und war selbst einige male mit seinen Rettungshunden in Erbeben-Regionen im Einsatz. Er bildete mehre Bullterrier zu Rettungshunden aus, und leitete selbst Lawinenhundkurse. Was wir hier ruhig einmal rausstellen wollen, da er ja sonst häufig nur als Schutzdienst- und Kampfhundemann dargestellt wird.

 

Er wurde zu einem deutschen Pionier in der Zucht von Leistungsbullterrieren. Es gab in Deutschland zwar noch weitere Züchter die sich als Aufgabe gesetzt hatten den Englischen Bullterrier als Gebrauchshund zu züchten und zu erhalten (wie z.B. der häufig in Vergessenheit geratende Züchter Peter Schröer, Zwinger “Von der Vogelwiese”), doch war Rudolf Sewerin für viele sicher die schillernste Persönlichkeit unter ihnen. Einige sprechen sogar von Sewerin-Bullterriern als ob es eine eigenständige Rasse war.

Viele leistungsorientierte Bullterrierzwinger arbeiteten mit ihm zusammen. Er gründete den Bullterrierverein e.V. (BV e.V.), dem er vorsaß und in den fast alle gebrauchsorientierten Bullterrierzüchter eintraten. Der Verein war einige Zeit lang dem VDH angeschlossen. Bedingt durch einige unüberwindbare Differenzen kündigte der BV e.V. aber seine Mitgliedschaft im VDH und wurde von da an selbstständig und arbeitete völlig autark.

Rudolf Sewerin schaffte es Bullterrier zu züchten die sicher nicht die Spitze aller Hunderassen darstellten, doch waren die guten Exemplare aus seiner Zucht in den Belangen Wesen, Gesundheit und Leistung kaum von einem Bullterrier außerhalb des kleinen BV’s zu schlagen. Er war wohl der Mann für den leistungsinteressierten Bullterrierfreund.

Rudolf Sewerin schaffte es durch planmäßige Selektion seiner Nachzuchten eigene Linien aufzubauen. Einer der wichtigsten Merkmale eines wirklichen Züchters. Dies gelang ihm beim Alano nicht mehr.

Auch war Rudolf Sewerin meines Wissens nach, der erste Züchter gewesen, der den Mastin Espanol nach Deuschland brachte. Er züchtete den ersten Mastin Espanol Wurf  in Deutschland und leitete 6 Jahre lang die Arbeitsgemeinschaft für Mastin Espanol im Club für Molosser.

 

Ende der 80er Jahre importierte er die ersten Perro de Presa Canarios nach Deutschland und gründete 1989 den ersten Club für die Rasse. Den Club nannte er Presa Canario Club der auch so als Verein eingetragen wurde. Unter seiner Regie nannte sich der Club kurze Zeit später intern in Alano Club um. Er war der erste der sich um diese seltene Rasse in Deutschland bemühte, kein heute bestehender Dogo Canario Zwinger in Deutschland ist älter(!)

Rudolf Sewerin hatte viele gute Presas nach Deutschland gebracht, einige hervorragende Exemplare gezüchtet, wobei er es nicht mehr geschafft hatte eigene Linien aufzubauen. Die meisten Welpen seines Zwingers hatten mindestens ein Importelterntier.

 

Neben den oben erwähnten Rassen beschäftigte sich auch mit den folgenden Rassen Bordeaux Doggen, Presa Malorquin, Cane Corsos, Dogo Argentinos, Golden Retriever und anderen. Auch schien ihn das Thema Schwarzwildjagd, immer zu interessieren. Er nahm an Gatterüberprüfungen teil und führte selber Gatter-Tauglichkeitsprüfungen mit Hunden durch und vergab unter Eigenregie das Leistungskennzeichen “S” für schwarzwildtaugliche Hunde. Auch wurden unter seiner Leitung jagdliche Überprüfungen an schweren Raubwild durchgeführt. Wobei er selbst nie Jäger war, oder vielleicht richtiger ausgedrückt nie einen Jagdschein besäßen hatte.

 

Rudolf Sewerin wurde immer wieder von vielen als Tierquäler hingestellt, beleidigt und auch denunziert, dazu kann ich hier natürlich nichts bestimmendes sagen, es mögen manche Geschichten wahr sein andere sind sicher erlogen. Jemand hatte mir mal gesagt, das er meine, dass Rudolf Sewerin einfach in einer falschen Zeit geboren sei, ein zwei Jahrhunderte frührer hätten ihm sicher gut zu Gesicht gestanden, dem kann ich aus meiner subjektiven Sicht, so wie ich ihn kenne, nur beipflichten…

 

Was allerdings auffällig ist und darüber bin ich auch gewillt zu schreiben, ist die Tatsache, das Rudolf Sewerin für viele und vor allem für die so genannten Kampfhundeleute immer eine intetressante Persönlichkeit war. Er hatte definitiv eine große Ausstrahlung. Viele umgaben sich mit ihm, unterstützten ihn und pflichten brav allen seiner Ideen bei. Doch genauso groß wie sein Händchen mit dem Umgang mit Hunden war, war seine Fähigkeit im Umgang mit Menschen klein. Rudolf Sewerin ist sicher ein großer Kynologe der früher gute Hunde gezüchtet und ausgebildet hat, auch hat er es immer geschafft einen großen Kreis von Anhängern um sich aufzubauen. Aber im reinen Umgang mit Menschen und der Gesellschaft, oder wie man heute so modern sagt von seiner Sozialethik her, war er nicht sehr kompatibel. Man könnte es auch nett ausdrücken, er war so wie ich ihn immer gesehen haben, ein kynologisch ehrgeiziger und wissenschaftlich fundierter Mann, der allerdings ein absolutes Alphatier war, im Sinnbild eines A-Rüdens der nichts über oder neben ihm duldet. So erkläre ich es mir auch, dass Rudolf Sewerin mit nahezu allen die mal mit ihm eng zusammengearbeitet haben und sogar mit ihm befreundet waren einige Jahre später immer komplett zerstritten war. Ob es nun andere Züchter, Figuranten oder Unterstützer der Vereine waren. Rudolf Sewerin war der Chef ohne wenn und aber, den BV wie auch den AC/PCC e.V. führte er unter eisernen Regiment.

Genau genommen habe ich im Bezug oder Zusammenhang mit Rudolf Sewerin nur drei verschiedene Typen Menschen kennen gelernt. Die einen krochen ihm bei jeder Gelegenheit nach und beweihräucherten ihn, die anderen warteten auf jede Gelegenheit wo der “Alte“ einen Fehler machte, da sie ihn eigentlich hassten und ihm alle Schlechtigkeit zudichteten und dann gab es noch die deutlich kleiner Gruppe derjenigen, die eher neutral waren, die sich selbst ihre Meinung bildeten und für alle guten Tipps dankbar waren ohne alles blind zu glauben. Zu dieser dritten Gruppe zähle ich mich übrigens selbst.

Ich habe nie behauptet, dass Rudolf Sewerin nur gute Hunde gezüchtete hat, oder dass er aus meiner Sicht nicht auch einige Fehler gemacht hat. Für mich war Rudolf Sewerin ein guter Kynologe und Hundeausbilder, allerdings habe ich ihn immer auch als herrisch und etwas egozentrischen Mann empfunden.

Auch heute gibt es wieder Leute die Herrn Rudolf Sewerin vergöttern und alles was er einmal schrieb als Dogma ansehen, ihn als Erfinder ganzer Hunderassen darstellen und andere die so tun als ob er ein Scharlatan gewesen sei, oder der größte Tierschänder den Deutschland je gesehen hätte.

Alle Extreme die ihm neuerdings wieder angedichtet werden, halte ich persönlich für weit überzogen.

Es wurde kürzlich sogar versucht uns und mich im Besonderen, als kriminell hinzustellen, nur weil wir früher Kontakt mit dem ach so bösen Rudolf Sewerin hatten. Also über so dümmliche Versuche der Verleumdung, kann man eigentlich nur lachen.

Und auf alle weiteren haltlosen Horrormärchen von Tierquälerei und der Gleichen sowie wahre, halbwahre und schlicht weg erfundene Aussagen über Anzeigen, Gesetzesmissachtungen, Verfahren, aberkannte Doktortitel, Hausdurchsuchungen, Strafprozesse, Beschlagnahmungen, Verurteilungen, Inhaftierungen, möchte ich hier gar nicht eingehen, da ich denke, dass wohl auch die Privatsphäre von Rudolf Sewerin gewahrt werden sollte. Denn was er nun auch immer ist oder war, ist sicherlich nicht dass was viele denken und daraus resultiert sicher auch kein Grund, dass jeder ihn als “Hampelmann” für jeden Blödsinn rauskramt.

Rudolf Sewerin hat einiges für die Rassen “Alano/ Presa Canario”, “Mastin Espanol” und vor allem für den englischen “Bullterrier” in seiner Gebrauchsprägung  bewegt. Er hat sie nicht erfunden, sicher nicht- aber er hat sie in Deutschland bekannt gemacht und zu einem nicht unwesentlichen Teil auch mitgeprägt. Punkt.

Rudolf Sewerin macht mit Hunden nichts mehr und befasst sich meines Wissens nach wieder mit seinem ursprünglichen Beruf und seiner Familie.

Es gibt momentan wieder so viele komplexbeladene Deppen in der Hundeszene, die alles probieren um sich interessant zu machen, dass man nur hoffen kann, dass sich Rudolf Sewerin nicht von ihnen vor den Karren spannen lässt.

Sicher gibt es Leute die Rudolf Sewerin vielleicht noch besser beschreiben könnten als ich dies hier getan haben, doch denke ich sollte dies als Stellungsnahme unsererseits doch genügen, schließlich ist Rudolf Sewerin kein Prominenter, denen man ihre Privatsphäre ja gerne abspricht…

Also Rolf ich für meinen Teil wünsche Dir alles Gute !!!

Arne Pohlmeyer

19.02.08