Die Zuchtrelevanz des “S/”

Die Zuchtrelevanz der Eignungsprüfung Schwarzwild (S/)

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Rasseinteressenten aus dem Lager der reinen Hundesportler, erkennen häufig nicht den wahren Wert des Leistungskennzeichens “S/“ (Schwarzwildtauglich mit Härtestrich).

Dies liegt Vordergründig daran, dass Sie meist von modernen bzw. neuzeitlichen Hunderassen kommen und ausschließlich auf deren Selektionsmerkmale achten.

Doch wir im AVD e.V. haben eine Rasse die in ihrem Urtyp steht, bzw. streben wir unaufhaltsam nach diesen alten und tatsächlich historischen Urtyp. Wir wollen gar nichts neuzeitliches, gar keine moderne Rasse!

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Hier zitiere ich kurz die einen kleinen Auszug der AVD e.V. -Zuchtordnung:

…“

Die iberischen Doggen fanden in ihrer alten Geschichte, grob

zusammengefasst, in folgenden drei Bereichen ihre Verwendung:

1. Als Packer und Treiber an Rindern (vornehmlich Stieren).

2. Als Steller- und Packer auf der Hochwildjagd (vornehmlich auf der

Schwarzwildjagd).

3. Als Kriegshund (insbesondere bei der spanisch/portugiesischen Eroberung

Südamerikas).

Neben ihren jagdlichen und „kämpferischen“ Aufgaben, ist es aber auch

überliefert, dass sie besonders wegen ihrer Treue zu ihren Herren und ihrer

ausgeprägten Ehrlichkeit, sowie Familienfreundlichkeit geschätzt wurden.

Der AVD e.V. orientiert sich bei der Zucht streng an den geschichtlichen

Überlieferungen und nachgewiesenen Informationen über die historischen,

iberischen Doggen. Das erklärte Zuchtziel des AVD e.V. ist also nicht die Zucht

oder Kreation einer neuen, nationalgeprägten Hunderasse, sondern die Erhaltung

dieser edlen und historischen Hundeform. Hierzu verwendet der AVD e.V. aber

sehr wohl alle fortschrittlichen Möglichkeiten, die der modernen Hundezucht

zur Verfügung stehen.

…“ (Zitat Ende)

Natürlich mag es dem (eher oberflächlichen) Betrachter so erscheinen, dass Damals zu den Hochzeiten der iberischen Doggen, doch alles sehr rau, grob und sogar brutal zuging. Doch war es sicherlich diese harte und rein funktionsbezogene Selektion, die diese Hunde weltweit bekannt und geschätzt gemacht hat.  Nicht ohne Grund importierten selbst die Britten, die ebenfalls bekannt für ihre Bullenhunde waren, mit großem Aufwand spanische Packer für die Verbesserung ihrer eigenen Hunde.

Alles was wir an unseren Hunden so schätzen, lässt sich im Grunde auf diese urtümliche Zuchtselektion zurückführen. Natürlich wurde diese Gebrauchsselektion der wahren Werte und Arbeitsaufgaben, in vielen Linien sträflich unterbrochen. Nun ist es an uns eine Zuchtordnung zu etablieren und zu verteidigen, die sich streng an den historischen Zuchtzielen orientiert.  Zucht auf reines Aussehen, bzw. die Selektion auf die reine Form kann nie einen historischen Hundetyp erhalten, bzw. wiederbeleben. Aber auch das Augenmerk nur auf eine einzige Funktion des alten Alanos zu legen ist nicht richtig, da dies die historisch belegte Vielfalt kosten könnte.

Wir verfolgen eine Rassen oder besser gesagt einen Hundetyp der (wie ich es häufig anführe) noch das leisten kann was er schon vor vielen hundert Jahren leisten musste. Für diesen Hund, der langläufig als Alano (manchmal aber auch als Perro de Presa oder schlicht als Dogo) bezeichnet wurde, gibt es erstaunlich exakte Beschreibungen in der Literatur seit den 1340er. Es gibt viele verschiedene, historische Quellen die diesen Hund so detailliert beschreiben, dass man nahezu behaupten kann, dass es überhaupt nicht nötig ist, einen Rassestandart im Sinne de FCI anzuwenden. Wenn man die geschichtlichen Fakten zusammenträgt, stellen diese schon einen Standart dar, der die Hunde im Wesen, in der Verwendung, wie auch in der Form sehr genau definiert, sozusagen einen Standard seit 1342. Einen so alten Rassestandard, bzw. so genaue und standardisierende Aussagen über einen Hund, sind meines Wissen in der gesamten Kynologie einmalig.

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Weiter oben, hatte ich bereits die drei hauptsächlichen Verwendungsformen der iberischen Doggen rausgestellt. In diesem Artikel wollen wir das Augenmerk auf die äußerst prägende und markante Arbeitsaufgabe des Jagdhundes (auf wehrhaftes Schwarzwild) legen.

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Wie angeführt dienten diese historischen Doggen schon dem jagdpassionierten, mittelalterlichen Adeligen als kompromissloser Packer wehrhaften Wildes (Hirsch, Bär, Wildschwein). Ein gefährliches Unterfangen, bei dem häufig nicht nur das Blut des Wildes floss.

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Auch wurden sie zur Bekämpfung und Eindämmung, von starkem Raubwild wie z.B. Wolf und Bär und im spanischen Überseeraum zur Jagd auf Puma, Jaguar und Leopard herangezogen.

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Um in der geografischen Hochburg (Spanien) unserer Jagddoggen zu bleiben,  sei hier als traditionelle, spanische  Jagdart, die „Monteria“ und die „Ronda“ angeführt.

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Die „Monteria“ stellt hier die klassische, spanische Drückjagd auf Hochwild dar. Und als „Ronda“ bezeichnet man die Nachjagd auf Schwarzwild, wobei der Jäger ausschließlich mit der kalten Waffe agiert.

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“Eine spanische Rehala mit Laufhunden, Mastinmixen und Alanos”

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Beide Jagdarten werden in Spanien auch heute noch durchgeführt. Die (häufig standgeldpflichtige)  „Monteria“ wird hauptsächlich von den finanzstarken Jägern besucht. Die Jagdherren buchen professionelle Hundemeuten (Rehalas), deren Hunde meist aus Podencos und ähnlichen Laufhunden bestehen, sowie aus zwei drei Doggen, die sozusagen als Bodyguards für die gesamte Meute agieren. Die Meuteführer, die ausschließlich auf Laufhunde setzten, haben deutlich mehr Verluste durch das wehrhafte Schwarzwild zu verzeichnen, als die Meuten mit Doggen. Viele Meuteführer bezeichnen ihre Doggen häufig schlicht als „Perros de Agarre“ was nur soviel wie „Hunde zum Festhalten“ deutet.

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“Diese Rehala gehörte dem Duque de Penaranda”

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Bei der Nachtjagd (Ronda) kommt man natürlich ohne wirkliche Saupacker gar nicht aus, da die modernen Jagdhunde nur selten sicher binden und halten können und der „Podenco Ibicenco“ nicht dafür gemacht ist. Die Ronda wird von wagemutigen Männern ausgeübt, deren Interesseschwerpunkt deutlich bei den Hunden liegt.

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“Nächtliche Schwarzwildjagd, die sogenannte Ronda”

 

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Auch die aktuellen Doggen (Alanos/Perro de Presas) der spanischen Jäger sind im Vergleich zu den FCI Jagdgebrauchshunderassen nur bedingt in die modernen jagdlichen Kategorien einzuordnen. Die spanischen Doggen sollten ausgesprochene Schwarzwild-Spezialisten für die grobe Arbeit, sowie typische Meutehunde sein. Des Weiteren finden sie heute auch außerhalb von Spanien Verwendung als Stöberhund, Nachsuchenhund und als Loshund für Schweißhunde.

Die heutige, jagdliche Zucht sollte sich an sozial verträglichen Hunden mit ausgeprägtem „Finderwillen“ orientieren. Vor allem sollte auf „Schneid“ und „Härte“ geachtet werden.

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Nun zurück zu der eigentlichen Fragen, was hat der (nicht jagende) private Welpenkäufer davon, wenn die Ahnenreihe seines neuen Hundes Zuchttiere aufweist die ihre Schwarzwildtauglichkeit bewiesen haben bzw. das „S/“ tragen?

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Diese Frage klingt für viele sicher berechtigt, weshalb wir sie behandeln und klar beantworten wollen.

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Die Tauglichkeitsprüfung für die Schwarzwildjagd birgt für uns folgende ausschlaggebende Vorteile.

An der Rassegeschichte unserer Hunde, können wir deutlich ablesen, dass gerade die Linien die vornehmlich für die Schwarzwildjagd oder für die Arbeit an Stieren gezüchtet und genutzt wurden, viel von der urtümlichen Wesensfestigkeit gesichert, vererbt und manifestiert haben.

Es gibt auch heute noch Blutlinien die ausschließlich für die Arbeit an Rinder- bzw. Stierherden gezüchtet werden, doch stellt sich für uns die Prüfung am Schwarzwild (nach PO) deutlich einfacher dar, da eine Überprüfung am Stier heute nur vereinzelt möglich ist.

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Zwar ist die Möglichkeit die Hunde auf der Schwarzwildjagd zu führen, auch nicht für die breite Masse möglich, doch bieten sich hier deutlich mehr Möglichkeiten. Vor allem im Ausland, findet man neben dem Optimalfall (der praktischen Jagdausübung), auch eine Reihe jagdlicher Prüfungsgatter, die ebenfalls für eine Prüfung  herangezogen werden können.

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Nirgendwo können wir ein so eindeutiges und unverfälschtes Resultat der Wesensveranlagungen in punkto Mut und Belastbarkeit sehen wie hier. Wenn wir den häufig herangezogenen Vergleich mit der Schutzdienstarbeit erörtern wollen, muss man klar herausstellen, dass kein Züchter „auf“ Schutzdienst züchten kann. Man kann versuchen, auf Attribute wie z.B. Selbstsicherheit, Mut, Belastbarkeit, Wehrtrieb, Beutetrieb, Dominanz etc. zu selektieren (und auch diese Begriffe klingen arg vermenschlicht). Der sicherlich nicht gerade enggefasste Begriff „Kampftrieb“, der in jedem älteren Buch über Schutzhunde und Schutzdienst auftaucht, definiert eigentlich nichts anderes als diese Begriffe in ihrer Zusammenfassung. Auch das etwas negativ belegte Wort „gameness“ was viele sicher aus dem amerikanisch/englischen heraus kennen, beschreibt bei genauer Betrachtung auch nichts anders, als den so genannten „Kampftrieb“, der im übrigen nicht pauschal mit dem Wort „Kampfhund“ gleichgesetzt werden kann. Der „Kampftrieb“ ist genau genommen gar kein einzelner Trieb des Hundes, sondern eine Zusammenfassung von einzelnen Eigenschaften. Stark vereinfacht könnte man das Wort „Kampftrieb“ auch als eine Art „sportsmännischer Freude an kämpferischen  Auseinandersetzungen“ bezeichnen. Und dies bürgt viel mehr positives in sich, als viele glauben mögen. Hunde mit diesen Eigenschaften, vererben häufig freundliches, mutiges belastbares, aber auch gelassenes Wesen, zeigen somit Charakterveranlagungen die bestens in unsere moderne Zeit passen.

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Unterschied zwischen dem Kampftrieb („sportsmännischer Freude an kämpferischen  Auseinandersetzungen“) im Schutzdienstsport und bei der Saujagd:

In beiden Fällen, ob nun bei der Arbeit mit dem Figuranten oder bei der Arbeit am Schwarzwild, ist es im Grunde das gleiche was der Hund braucht. Doch wenn man sich den letzten Satz genau durchliest, erkennt man den Unterschied recht schnell. Der Unterschied? Der Unterschied ist das Wort „mit“ im Gegensatz zu  „am“. Denn wenn man ehrlich ist, arbeitet der Figurant in der Regel (zumindest während der Ausbildung) „mit“ dem Hund, er arbeiten ihm sozusagen zu. In vielen Fällen wird sogar vom Schutzdienst-Helfergesprochen, wobei eine deutliche Betonung auf Helfer (wie Hilfe) liegt. Ganz im Gegensatz zum gutmütigen Schutzdienst-Helfer, der versucht das beste aus dem Hund herauszuholen, versucht das Schwarzwild (sozusagen der böse Schwarzkittel) alles gegen den Hund zu tun was ihm nur einfällt. Der Schwarzkittel baut den Hund nicht auf, er lässt nach Leibeskräften auch kein Training bzw. Aufbau des Hundes zu. Er will den Hund abschlagen und vertreiben. Wobei ein fundierter Schutzdienst-Aufbauhelfer den jungen Hund langsam, stärker, sicherer und mutiger macht, seine Belastbarkeit langsam erhöht, wird das Schwarzwild jede Schwäche und Unsicherheit des Hundes gnadenlos ausnutzen.

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Gerade die Hunde die zögern werden vom Schwarzwild häufig massiv bombardiert. Vor allem bei erfahrenen Gattersauen, kann man deutlich sehen, dass die Hunde bei denen der genetischen „Kampftrieb“ nicht ausreicht, von den Sauen regelrecht gejagt werden. Sie haben richtig gelesen lieber Leser, die Sauen jagen die Hunde. Welcher Schutzdiensthelfer macht so etwas wenn ein Hund mal zögert?  Na da würden sich die Hundeführer sicher bedanken…

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“Selbst der kleine slowakische Frischling auf diesem Bild nimmt die Verfolgung des Hundes auf …”

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(Prüfungsgatter in Polen, “Airon de las Tinieblas”)

(Prüfungsgatter Tschechien)

(Alanogatter in Spanien)

 

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“Wer jagd hier wen?”

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Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Hunde bei der Saujagd Wildschweine erlegen, dem ist nicht so! Auch sehr starke Hunde können ein erwachsenes Wildschwein, maximal eine kurze Zeit lange halten, aber auf keinen Fall töten. Andersherum wird allerdings ein Schuh draus.

Viele Hunde werden jedes Jahr wieder vom wehrhaften Schwarzwild gefährlich geschlagen, schwer verletzt und häufig sogar getötet. Für die Hunde ist die Saujagd heutzutage genauso wie sie schon immer war, da gibt es nichts “modernes” und nichts “softes”…  Natürlich kann man die Hunde durch entsprechende Schutzkleidung etwas schützen, doch zu glauben dass dies eine wirkliche Sicherheit ist, wäre eine trügerischer Illusion. Es verringert die Gefahren und vermittelt dem Hundeführer ein besseres Gefühl, viel mehr aber auch nicht. (Gerade im letzten Monat hat ein Jagdkamerad von mir, einen Hund trotz Schutzweste verloren und ein weiterer Bekannter hat in nur 2 Minuten drei seiner Hunde an einem angeschweißten Keiler gelassen, ebenfalls trotz Schutzweste).

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Dies sei nur erwähnt um dem Leser deutlich vor Augen zu halten, dass es ein Ammen-Märchen von übertriebenen und fehlgeleiteten Tierschützern ist, die verbreiten, dass die armen, wehrlosen Wildschweine von ach so bösen Hunden gejagd werden.

Der Schutzdienst ist eine gute und aufschlussreiche Beschäftigung mit dem Hund. Doch werden so gut wie alle Hunde langsam, bzw. behutsam aufgebaut. Man macht sie „step by steb“ immer sicher und besser. Dies macht, wie oben bereits geschildert, die Sau auf keinen Fall. Die Überprüfung am Schwarzwild wiederum ist immer “volle Realität”!

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(Geschlagener Saupacker)

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Doch trotzdem kann es natürlich einen gewissen (wenn auch deutlich geringeren als beim Schutzdienst) Trainingseffekt geben. Allerdings können wir hier auf wirkliche wissenschaftliche Untersuchungen zurückgreifen, die interessantes ergeben haben. Eine wissenschaftliche Studie die im Bezug auf die Tierschutzaspekte von Gattersauen in Auftrag gegeben wurde, ergab dass die Sauen viel weniger Stress haben als zuvor angenommen wurde, im Gegensatz der Stressfaktor bei den Hunden deutlich höher war. Des Weiteren ergab sich folgender Fakt: die Hunde konnten ihre gezeigte Leistung teilweise bei einem zweiten und dritten Tauglichkeitstest am Schwarzwild erhöhen, darüber hinaus  (bei weiteren Gatterbesuchen) war in allen Fällen keine Steigerung mehr zu erkennen! Die Hunde die mangelhaftes Verhalten gezeigt hatten, wurden nach einem dritten Versuch sogar deutlich schlechter.

Dies ist für unseren Vergleich „Schutzdienstprüfung vs. Schwarzwildprüfung“ besonders prägnant, da es ein überaus deutlicher Unterschied und eine wirkliche Trennung zwischen dem erlernten und ererbten darstellt.

Den meisten Züchtern dürfte klar sein, dass ein Zuchthund niemals das vererben kann, was man ihm (zum Teil mühevoll) antrainiert hat, sondern nur was er genetisch mitbringt, was ihm also selbst vererbt wurde.

Und genau dieses „was der Hund genetisch mitbringt“, ist für uns im AVD e.V. so wichtig! Ich würde behaupten, wichtiger als den meisten Dienstgebrauchshundevereinen ist. Bei vielen Vereinen gelten antrainierte Ausbildungsprüfungen als Zuchtprüfung. Unsere zuchtrelevanten Wesensprüfungen mit Schutzdienstteil (ZWP’s) sind so gestaltet, das der Prüfer möglichst sieht, was der Hund genetisch mitbringt und nicht was ihm antrainiert wurde. Es gibt z.B. keine Ausbildungskommandos etc. die bei zuchtrelevanten Prüfungen wichtig wären.

Doch wollen wir ehrlich sein wie viele Hunde treten zu den ZWP’s an, die gar nicht oder maximal 3 mal (analog Schwarzwildgatter) im Schutzdienst gearbeit wurden?! Natürlich, es gibt welche, doch diese Zahl ist verschwindend gering bzw. auf keinen Fall als relevanter Durchschnitt zu betrachten.

Viele unserer Vereinshunde haben also, mehr oder weniger fachmännische Ausbildung genossen, bevor sie zu Prüfungen vorgestellt wurden.

Dies ist auch gut so und in vielen Fällen nötig. Wir freuen uns natürlich über jeden der seinen neuen Welpen optimal sozialisiert, in auf alle möglichen Umwelt- und Stressreize prägt, ihn im Spiel- und Beutetrieb fördert, ihm die richtigen Griffe zeigt, ihn durch allerlei Zutun möglichst sicher und selbstbewusst macht und eventuell später den Hund noch mit professioneller Ausbildung im Sporthundebereich führt. Das ist alles Ok, ja sogar sehr gut.

Doch muss man auch erkennen, dass durch diese optimale Förderung, eventuell ein Resultat erreicht werden kann, was uns einen überaus genetisch wertvollen Hund prognostiziert.  Natürlich muss ein Hund ein zumindest anständiges genetisches Potential mitbringen, damit man ihn ausbilden kann und mit ihm Schutzdienst-Prüfungen absolvieren kann. Doch wie viel wertvoller scheint uns ein Hund der vollkommen roh eine Überprüfung im Schutzdienst aushält…

Und hier kommen wir zu einem weiteren interessanten Fakt, wenn man einen ganzen Wurf großziehen würde (wie in Spanien üblich an der Kette oder im Zwinger), die Welpen nur mäßig prägt, mit ihnen keine Beutespiele macht, sie an keine fremden Umweltreize gewöhnt, kaum Zeit investiert ect. und diesen Wurf im Alter von sagen wir mal einem Jahr im Schutzdienst, bei einer ZWP oder bei einer Nachtübung vorstellt, werden wir nach aller Wahrscheinlichkeit nur Totalausfälle zu sehen bekommen. Denn auch der genetisch best veranlagte Hund, kann ohne entsprechende Prägung so etwas kaum bewältigen. Doch nehmen wir den ganzen Wurf und fahren mit ihnen zur Saujagd bzw. in ein Prüfungsgatter, haben wir eine äußerst effektive und absolut objektive Prüfungsmöglichkeit, die die genetisch relevante Charakterveranlagung der Hunde herausstellt.

Selbstverständlich will ich hier nicht dafür plädieren, die Hunde in Zukunft nicht mehr zu prägen, zu sozialisieren, aufzubauen und auszubilden, doch muss ein Züchter immer an der Fähigkeit arbeiten, das erlernte vom ererbten zu unterscheiden.

Durch die Überprüfung der Schwarzwildtauglichkeit (nach Prüfungsordnung), kann das Leistungskennzeichen “S/“ (Schwarzwildtauglich mit Härtestrich) nur für überzeugende Arbeit an wehrhaften Sauen im Vergleich zur körperlichen Leistungsfähigkeit und zum Alter des zu prüfenden Hundes zuerkannt werden.

Durch diese zuchtrelevante Prüfung (die auch analog zur ZWP abgelegt werden kann) erhalten wir uns eine der reinsten und überaus authentischen Möglichkeiten, den wirklich unverfälschten, genetischen „Kampftrieb“ für unsere Zuchthunde zu prüfen.

Das Leistungskennzeichen „S/“ wird sicher nie eine Pflichtprüfung für Zuchthunde werden, da einfach der organisatorischen Aufwand für diese Prüfung viel zu groß ist und häufig mit weiten Reisen verbunden ist.

Diese Charakterprüfung wäre für alle wünschenswert, ist in der Masse zum jetzigen Zeitpunkt  aber nicht realisierbar. Interessant und sinnvoll wäre sie, wenn z.B. ein Hund für die Zuchtauswahl vorgestellt wird, man aber nicht sagen kann was er bereits trainiert hat und wie er aufgezogen und geprägt wurde. Am Schwarzwild sehen wir nur den wahren Wert, seinen genetischen Charakter, im Schutzdienst sehen wir immer eine Mixtur aus erworbenen und ererbten, die häufig nur ein Fachmann auseinanderdividieren kann.

Ich hoffe dass dieser Artikel, vor allem auch für die fortgeschrittenen Hundeführer und  Züchter unter uns, interessant und aufschlussreich war.

Abschließend weise ich in aller Deutlichkeit darauf hin, dass wir uns ausschließlich für die tierschutz- und gesetzteskommforme Schwarzwildjagd und deren Überprüfung aussprechen, sämtliche nicht legale Arten der Jagd und Jagdprüfungen strikt ablehnen!

Ihr

A. P.

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