Die traditionelle spanische Saujagd

Die traditionelle spanische Saujagd

Die Monteria

Die Monteria stellt eine große Gesellschaftsjagd dar, die seit langer Zeit in weiten Teilen Spaniens ausgeübt wird. Diese Jagd ist noch heute ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis und mutet etwas mittelalterlich an.

Dem Laien kann man die Monteria am besten als eine große Treibjagd auf Hochwild beschreiben. Es werden sehr große Areale bejagt, die häufig mehr als 1000 Hektar umfassen.

In der Regel werden vor Beginn des Treibens 50-150 Schützen angestellt, die ihre Schützenstände (“Puestos”) als zahlende Gäste teuer erkauft haben.
Die Monteria ist im Gegensatz zu der spanischen Ronda Extremena fast ausnahmslos der finanzstarken Oberschicht vorbehalten.

Bei der Monteria werden in der Regel alle Hoch-Wildarten bejagt.

Es wird versucht, das Wild mit großen Hundemeuten vor die Schützen zu treiben. Diese Hundemeuten heißen “Rehalas” (es soll sich vom Arabischen Sprachgebrauch abgeleiten), manchmal werden sie aber auch als “Jaurias” (spanisch) bezeichnet. Bei einer Monteria werden oft 4 bis 30 Rehalas gleichzeitig im Treiben geführt.

Eine Rehala setzt sich aus ca. 20-35 Hunden zusammen. Die Meute wird in der Regel nur von einem Meuteführer geleitet, dem “Rehalero”, auch als “Podenquero” bezeichnet. In seltenen Fällen unterstützen weitere Helfer den “Rehalero“.

Er kennzeichnet seine Hunde durch Halsbänder, die alle die gleichen Farben haben, die Farben seiner Rehala. Alle seine Hunde hören erstaunlicher Weise recht gut auf ihren zweibeinigen Meuteführer, der sie am Ende der Jagd traditionell durch das Blasen auf einer großen Muschel heran ruft.

Der Rehalero erhält einen Lohn für den Einsatz seiner Meute, der heute nicht mehr ausreicht, um den Unterhalt der Meute zu gewährleisten, geschweige denn ihn selbst zu alimentieren.
Bei den früheren Monterias des Adels waren die Rehaleros fest Angestellte des großgrundbesitzenden Adels, die über das ganze Jahr mehrere Meuten unterhielten.

20-40 Hunde stellen eine Rehala. Die traditionell verwendeten Rassen sind in erster Linie der Podenco Ibericos als schnelle Läufer und Finder und ca. 4-8 Alanos als Packer. Häufig findet man auch leichte Mastin Espanols oder Mastin/Podenco Mischlinge in einer Rehala.

Das Wort “Alano“ wird hier wieder als Oberbegriff für die Packer verwendet, die Rasse Dogo Canario steht den alten Alanos aus früheren Zeiten am nächsten.

Es gibt auch Hundeführer die mit unterschiedlichsten, ausländischen Rassen (wie z.B. Beagle, Fox- u. Jagdterrier, Deutsch Kurzhaar, Deutscher Boxer, Rottweiler, Dogo Argentino, Bull and Terriers, English Pointer und vielen weiteren) ihre Versuche gemacht haben und noch immer die verschiedensten Hunde in der Meute führen.

Einige Hundeführer bedienen sich sogar irgendwelcher Mischlinge, die sie aus dem Tierheim beziehen und nach der Jagdsaison einfach wieder aussetzen. Derartige Hundeführer können und wollen wir natürlich nicht als echte Rehaleros bezeichnen.

Die Hundemeuten werden meist in irgendwelchen Kleintransportern und Anhängern quer durchs ganze Land zu den Jagden gefahren, oft furchtbar eng zusammen gepfercht. Die Packer (Alanos) werden in der Regel gesondert transportiert. Ihre Verträglichkeit mit anderen Hunden ist in der Regel nicht genügend ausgeprägt, so dass sich ein Transporter mit 30 anderen Hunden verbietet.

Bei der Monteria jagen also auch wieder die Finder als schnelle Lauf- und Hetzhunde. Sollten sie auf Schwarzwild treffen benötigen sie die Hilfe der Alanos, die als echte Packer die nötigen Eigenschaften aufbringen, um die Rotten effektiv zu sprengen, also so unter Druck setzten, dass sie ihre sichere Deckung aufgeben. Hierbei stellt sich das Schwarzwild den Alanos häufig. Es kommt zu einem Gefecht, in dem die Alanos versuchen, die Sauen zu packen und zu binden. Jetzt erst wagen sich die Podenco Ibericos (Finder) auch dichter an die Sauen und fassen auch zum Teil.

Wenn bei einer Monteria eine Meute geführt wird, die sich ausschließlich aus Laufhunden (vornehmlich Podencos, die übrigens trotz großer Ähnlichkeit nicht zu der Familie der Windhunde gehören) zusammen setzt, wird nur sehr selten Schwarzwild vor die Schützen getrieben, da sich die Podencos nicht an die Sauen trauen. Falls sie es doch wagen, werden sie häufig fürchterlich geschlagen, und so hohe Verluste an Hunden anstehen.

Ein Alano beeindruckt die Sauen schon deutlich mehr. Auch wenn die Sau einen Alano annimmt, schaffen es gute Alanos, dank ihrer Griffsicherheit, die Sau zu fassen und zu halten bis der Rehalero die Sau mit dem Messer abfangen kann. Sicher sind, gerade durch ihr nicht unbeträchtliches Gewicht, auch die Alanos gefährdet und können von den Sauen schwer verletzt werden. In den meisten Fällen gelingt es den Alanos mit dem nötigen Schneit und festen Griff die Sauen so zu halten, so dass er selten mehr als oberflächliche Verletzungen davon trägt. Schafft ein Alano es allerdings nicht, die Sau trotz mutigen Angehens sicher zu binden sind ernste Verletzungen natürlich nicht ausgeschlossen.

Obwohl das Schwarzwild in Spanien selten das Gewicht von unseren Sauen erreicht, ist es nicht weniger gefährlich, da das Gewicht eher eine untergeordnete Rolle spielt, stärker als jeder Hund sind sie allemal.

Bei einer Monteria können nur völlig leistungsfähige und austrainierte Alanos mit sehr sportlicher Anatomie bestehen, da sie ja mindestens Anschluss an die deutlich schnelleren Finder halten müssen und im Bedarfsfall eine Sau über viele Minuten binden müssen, bis der Hundeführer selbst am Ort des Geschehens eingetroffen ist. Und das alles bei oft sehr hohen Temperaturen. Wirklich hervorragende Packer schaffen es, die Sauen bis zu einer halben Stunde zu binden.

Überfettete Ausstellungshunde, wie wir sie bei modernen Dogo Canario-Shows häufig antreffen, sind hier fehl am Platz, da sie nach kürzester Zeit vollkommen überfordert wären.

Die spanische “Ronda (Extremena)”

Die “Ronda” ist eine weitere Form der spanischen Jagd, die ausschließlich auf die Erlegung von Schwarzwild abzielt. Sie ist wohl die traditionellste und spannendste Formen der spanischen Saujagd.

Diese Jagdart war schon immer das größte Metier unserer Alanos. Bei der Ronda Extremena werden die Wildschweine ausschließlich nachts bejagt. Der Jäger führt in der Regel zwei bis drei Alanos an der Koppel.
Sobald die Finder eine Rotte oder ein einzelnes Stück gefunden haben, geben sie durch anhaltendes Bellen dem Jäger und seinen Packern an, wo sich die Wildschweine aufhalten. Auf das Anschlagen der Finder (die i.d.R. nicht genügend Schneit und Härte besitzen, selbst die Sauen zu stellen u. zufassen) schnallt der Jäger seine Alanos ab und eilt ihnen so schnell es geht nach. Einige mir bekannte Jäger benutzen Ihre Alanos auch zum Finden und verzichten so völlig auf den Einsatz anderer Rassen.

Wo es möglich ist, werden in weitläufigen und gut zu durchquerenden Gebieten die Alanos auch vom Pferd geführt. Die Verwendung von Pferden war früher weit häufiger als heute.

Bei der Ronda Extremena wird ausschließlich mit dem Waidblatt gejagt, Schusswaffen kommen nicht zum Einsatz.

Solange das Schwarzwild die Hunde nicht mit dem Menschen in Verbindung bringt, halten sie meist sehr lange, da sie die Hunde kaum fürchten. Gerade nachts scheint der Fluchttrieb der Wildschweine wenig ausgeprägt.
Sobald die Packer die Sauen erreicht haben, versuchen sie die Sauen durch Fassen zu binden. Hier ist jetzt der feste Griff der Hunde natürlich von größter Bedeutung. Um die Sauen mit der kalten Waffe zu erlegen, was kein ungefährliches Unterfangen ist, müssen die Sauen so gut wie irgend möglich von den Hunden fixiert werden.

Wenn der Jäger die gestellte und gehaltene Sau erreicht muss er sie ohne zu zögern so schnell wie möglich abfangen. Man muss sich das bildlich vorstellen: mitten in der Nacht (nur bei Taschenlampen- oder Vollmondlicht) anpirschen an eine der wehrhaftesten Wildarten in meist unwegsamen Gelände, mitten in einem Dornenbusch o. ä., um sie mit dem Messer zu erlegen. Jagd pur und nicht ungefährlich. Diese nächtliche Jagd hat etwas ganz besonders Mystisches, was man kaum in Worten beschreiben kann.

Wer die Möglichkeit hat, an einer solchen Jagd teilnehmen zu können, sollte die Gelegenheit nutzen. Allerdings ist es nur etwas für mutige Kandidaten, Leute die Angst um die eigenen Knochen haben sind hier fehl am Platz.

Die Ronda Extremena wird seit jeher in Spanien ausgeübt. Allerdings betreiben heute nur noch wenige Jäger diese Art der Jagd. Die Gründe hierfür sind sicher vielfältig, in erster Linie aber wohl darin zu sehen, dass die Jagd in Spanien, wie auch in vielen anderen Ländern wieder mehr in der Hand der gehobenen Gesellschaftsschichten liegt und die Herren der High Society wenig Interesse für diese gefährliche Jagdart zeigen. Ein weiterer wesentlicher Grund ist, dass das Material geeigneter Hunde nahezu verschollen erschien.

Mittlerweile haben aber wieder relativ viele jagdbegeisterte Hundeführer begonnen, diese Jagd mit wachsender Beliebtheit auszuüben. Alle von Ihnen sind sehr traditionsbewusst, was sicher auch ein wichtiger Beweggrund für sie ist, die Ronda Extremena auszuüben. Alle Jäger die ich besuchen konnte, schienen sehr stolz auf ihre Hunde zu sein.

Als Packer werden wieder fast ausschließlich Alanos geführt. Vor einigen Jahren probierten auch einige mit anderen Rassen wie Mastin Espanol, Deutscher Boxer, Dogo Argentino und einigen anderen herum. Doch heute besinnen sich die meisten wieder auf ihre Alanos, die jetzt auch bei einigen Züchtern speziell für die Schwarzwildjagd gezüchtet werden.

Der Rehalero erhält einen Lohn für den Einsatz seiner Meute, wobei heutzutage von diesem Geld kaum ein Rehalero den Unterhalt für seine Hunde aufbringen kann, geschweige denn selbst davon leben.
Bei den früheren adligen Monterias war es mal so gewesen dass sich der großgrundbesitzende Adel selbst Rehaleros fest einstellte, die über das ganze Jahr mehrere Meuten hielten.

(Copyright Arne Pohlmeyer)