Der Villano de las Encartaciones

Der Villano de las Encartaciones

Der Villano de las Encartaciones

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“Villano de las Encartaciones“

Einige mögen sich wundern warum wir den “Villano de las Encartaciones“ hier als eine „Rasse“ vorstellen, obwohl er nach aller Wahrscheinlichkeit, wissenschaftlich betrachtet eigentlich nur ein Variante ist.

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Doch über kurz oder lang wird es mit dem Villano de las Encartaciones sicherlich genauso laufen, wie mit den vielen anderen Landschlägen Spaniens. Irgendjemand wird es für überaus wichtig halten, diese alten Arbeitshunde auf  alberne Schönheitsausstellungen zu schleppen, eine FCI-Anerkennung zu erwirken und sich schlussendlich noch als Erfinder der Rasse zu deklarieren. (Ein Prototyp vom „Ausstellungs-Standart“ ist bereits verfasst und geistert schon in Spanien umher).

Das Internet wird dann mit der neuen “Rasse“ weiter voll gestopft und in Spanien rennen dann 90% der Züchter zu dem amtierenden  “Villano de las Encartaciones- Schönheitschampion“ zum decken…

Obwohl, der heißt dann sicher gar nicht mehr so, der Name wäre ja viel zu lang und nicht opportun für die FCI. „Villano“ wird nämlich häufig auch als „Bösewicht“ übersetzt und dass geht natürlich nicht… Ich denke die Anerkennung wird dann auf „Dogo de las Encartaciones“ oder „Dogo Encarto“ oder „Dogo Norte“ oder ähnliche moderne Kreationen lauten.

 

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Gewinner der ersten Ausstelung, diese Villano Ausstellung wird 

irrtümlich häufig als erste Alano Espanol (moderno) Ausstellung bezeichnt.

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Die ersten Villano-Besitzer ließen sich bereits auf Ausstellungen blicken. Natürlich kann man nicht pauschal jeden verdammen, der zu so einer Schönheitsausstellung fährt. Man kann es einem Züchter auch nicht vollends verdenken, der sonst nie größere Anerkennung für seine Hunde erfährt. Doch sollte jede kleine Anerkennung und jeder kleine Arbeitserfolg weit höher stehen als die Anerkennung im Show-Ring. Denn diese Anerkennung ist es, die alle Rassen so massiv beschädigt…

So könnte man also sagen, haben wir diesen kurzen Artikel, in weiser Vorahnung verfasst bzw. hier eingereiht.

Nun aber zum eigentlichen Thema, was ist der “Villano de las Encartaciones“ denn nun?

Der Villano ist eine regionale Variante des alten spanischen Alano, er ist ein direkter Sohn und Nachfolger unserer historischen, iberischen Doggen. Jenen Hunden mit denen wir uns nun schon so lange und voller Bewunderung befassen.

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Viele gehen sogar davon aus das diese“Alanos“ vollkommen unvermischt, in ihrer lokalen Isolation überlebt haben.

Der Villano ist eine ortsgebundene Erscheinung aus der spanischen Region „Las Encartaciones“. Las Encartiones liegt ganz im Norden Spaniens, genauer im westlichen Baskenland.

 

Woher der Name „Villano“ stammt, bzw. seit wann er Gebrauch findet, konnte mir bislang niemand vereicht sagen. Es gibt Züchter die berichten, dass sich diese Hunde seit vielen Generationen in dem Besitz ihrer Familien befinden. Sie haben die Hunde von ihren Vätern, die wiederum von ihren Vätern und so weiter und so weiter.

In Spanien gibt etwas von einander abweichende Theorien zur Herkunft bzw. Abstammung dieser Villanos. Die Mehrheit geht aber davon aus, dass sich der Villano direkt aus dem historischen Alano entwickelt hat, im grunde der gleiche Hund der nur mit einem anderen Namen belegt wurde. Einige meine auch, er wäre ein Kreuzungsprodukt von einheimischen Schäferhunden oder Jagdhunden mit dem alten Alano. Die meisten erzählen aber, dass der “Villano de las Encartaciones“ nur eine auf Ausdauerfähigkeit und Schnelligkeit gezüchtete Variante des alten Alano ist. Man muss aber betonen, dass hier vom historischen Alano die Rede ist, eine Verbindung bzw. Gleichsetzung zum modernen “(FCI-) Alano Espanol“ und seinen Clubs weisen die meisten Villano-Züchter zurück. In diesem Zusammenhang wird aber häufig berichtet, dass andersherum, einige namentlich bekannte Villanos einen Teil, oder sogar den Großteil, des Grundstockes für die moderne „Alano Espanol-Zucht“ bildeten.

In der Region “Las Encartaciones“ ist man der Auffassung, dass die modernen Alano Espanoles (der spanischen Clubs) Kreuzungen aus ihren „Villanos“, Jagdhunden, kanarischen und mallorquinischen Presas und vor allem deutschen Boxern seien.

Einige “Alano Espanol Club Züchter“ wiederum äußern, dass das Wort “Villano“ nichts weiteres sei als eine Namensvariante bzw. ein Synonym für das Wort “Alano“. Der Villano wird übrigens häufig auch rein funktionsbezogen als als “Perro de Presa Encarto” oder “Perro de Presa de las Encartaciones” oder als “Alano Ganadero” bezeichnet.

Sie lieber Leser, haben eventuell auch schon einmal gehört, dass in der Rückzüchtungs-Storie der spanischen Alano Espanoles Clubs, immer die Rede von 300 absolut rein erhaltenen Alanos aus dem Norden Spaniens die Rede ist. Von irgendeinem vergessenen Tal im Norden Spaniens. Und das von 22 dieser Hunde ein Gentest gemacht wurde, der ergab, dass sie mit keiner existierenden Rasse eine Verwandschaft aufweisen. Dies sollte die absolute Reinheit dieser Alanos untermauern. Ich selbst glaube übrigens nicht, dass dieser Gentest, in dieser Art, überhaupt möglich ist. Das wirklich interessante und spannenden hierbei ist aber, dass diese 300 Alanos bei den Rinderzüchtern aus „Las Encartaciones“ gefunden wurden. Diese Alanos wurden von ihren Besitzern als “Villanos de las Encartaciones“ bezeichnet.

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Nach Angaben von einem der wichtigsten spanischen „Alano Rückführer“ (den man wohl als den Pionier bezeichen darf), wurden die besten dieser Rinderhunde herausgesucht und bildeten DEN Grundstein der modernen „Alano Espanol Zucht“. (Des weiteren sollen noch einige Exemplare aus der Extremadura, so wie verwandte Rassen wie Dogo Canario, Dogo Argentino, Ca de Bou und die nicht verwandte Rasse des deutschen Boxer eine wichtige Rolle gespielt haben).

Auch wird ab und zu von einem der ersten oder auch dem „ersten“ spanischen Alano Treffen berichtet. Hier ist das Plakat zu diesem Treffen. (Schauen Sie mal genau, wie dieses erste Alano-Event genannt wurde).

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Ich schließe mich (vorerst) der allgemeinen Meinung an, dass der “Villano de las Encartaciones“ eine auf Agilität gezüchtete Form des alten Alano ist. (Sicherlich gibt es auch atypische Formen, die auf einen Podenco Einschlag oder ähnliches hinweisen könnten, doch gibt es ebenso viele recht schöne Hunde. Eine große Typenvielfalt lässt sich auf jeden Fall nicht verleugnen. Es scheint, wie es in Spanien eigentlich immer ist, man muss genau schauen und nach seiner eigenen Nase gehen bzw. suchen).

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Der “Villano de las Encartaciones“ ist seit (nicht mehr einzugrenzender) langer Zeit im Besitz der Viehzüchter. Diese Viehzüchter hielten und halten auch heute noch ihre Rinder in einer halbwilden Form. Sie treiben die Rinder in den steilen Gebirgszügen auf unbefriedete Weideflächen und lassen die Rinder dadurch ziemlich „verwildern“. Infolge dessen sind die Rinder recht störrisch und schwer zu bändigen.

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Diese “Störrischkeit” ist in erster Linie der Grund für das Überleben des “Villano de las Encartaciones“. Denn ohne mutige Packer wären die Bemühungen der Rinderzüchter und Treiber oft zum scheitern verurteilt. In diesen Regionen werden die Rinder noch immer so gehalten, wie wir dies aus dem Mittelalter kennen. Und diese mittelalterliche Art erfordert halt auch die Verwendung von „mittelalterlichen“ Hunden.

Altmodische Hunde für altmodische Aufgaben – wie ich immer zu sagen pflege!

Interessant hierbei ist die Tatsache, dass sich die Villanos nicht wie kopflose „Kampfhunde“ verhalten, die einmal an einer Beute gelassen, nicht mehr davon abzubringen sind. Sondern wie ganz klare und nervenfeste Gebrauchshunde. Sie treiben die Rinder ruhig und packen durchgehende Rinder nur auf den Befehl ihres Herrn. Sie halten mit sicherem Griff und wenn Sie von ihrem Besitzer abgeknebelt worden sind, starten sie nicht gleich einen neuen „Angriff“ sondern bleiben ganz „relaxt“ und begleiten die Rinderherde weiter ganz ohne irgendwelche unkontrollierte Aggression. (Geführt werden sie häufig als Koppel, bestehend aus einem Rüden und einer Hündin. Allerdings erlaubt es ihre Rudelverträglichkeit auch mehrere Villanos zusammen ein zusetzten).

 

Bei der Beschreibung ihrer weiteren Charakterzüge ist auffällig, dass auch diese sehr denen die wir vom „Alano“ kennen gleichen. Sie werden in der Regel als sehr loyal und liebevoll im Umgang mit ihrem Meister und seiner Familie beschrieben. Eher ablehnend und wachsam Fremden gegenüber, sowie mutig und schneidig gegen potentielle Gegner.

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Bislang (!) gibt es in Spanien um den  “Villano de las Encartaciones“ aber noch keine negativen „Gruppierungen“ wie die der Schönheitsaussteller oder die der häufig asozialen „Kampfhunde-Szene“. Gruppierungen die man in Spanien sehr wohl auch häufig um den „Dogo/Presa Canario“ antrifft.

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Der “Villano de las Encartaciones“ ist bislang fast ausschließlich in den Händen der Landwirte und der Jäger. Ja genau der Jäger (!), die hätte ich jetzt fast vergessen. Die Jäger waren überhaupt erst der Grund warum ich auf den  “Villano de las Encartaciones“ gestoßen bin.

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Es gibt viele, die ihre Villanos neben der Verwendung an den Rinderherden, oder sogar ausschließlich, ihre Villanos halten um sie auf der Wildschweinjagd zu führen.

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Hierbei können sie auch auf ganz beachtliche Erfolge zurück blicken.

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Die Villanos sind zäh, schnell und wendig genug um auch im Gebirge zu jagen, können auch an den schnellsten Jagdhunden (zumindest) Anschlusshalten und verfügen über einen (alanotypischen) Packergriff. Sie sind in der Lage gebundene Schwarzkittel, über langen Zeitraum sicher zu halten.

Übertypisierte „Boxerköpfe“ oder „Bulldogbeine“ sind ungewollt und werden meist verpönt. Optisch sehen sie häufig noch sehr alanotypisch aus, wenn man von den alten Jagd-Alanos ausgeht. Es wird aber bevorzugt mit Hunden zu züchten, die eher leicht und hochläufig sind. Neben dem Griff und dem Charakter ist eines der wichtigsten Kriterien (der Gebrauchszüchter), die Schnelligkeit und die körperliche Koordination. So sind  “Villanos de las Encartaciones“ die deutlich über 35kg kommen, bei den meisten Jägern eher unerwünscht.

Es wird allerdings immer wieder berichtet, dass früher wohl die Villanos deutlich schwerer gewesen seien, allerdings nicht größer.

Dieses „leichter werden“ lässt sich natürlich auf züchterische Selektion zurückführen, eventuell hat hier aber auch die (sicher nicht gerade geringe) Inzucht etwas mitgespielt.

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Nun wollen wir das Thema  “Villano de las Encartaciones“ erst einmal schließen.

Sobald es interessante Neuigkeiten aus dem Norden Spaniens gibt, (und die wird es mit Sicherheit geben) wird an dieser Stelle hiervon berichtet.

Ansonsten wollen wir unseren alten Alanos, ihren direkten  Nachfolgern sowie ihren Enkeln wünschen, dass es ihnen gelingen möge weitere diese, für sie unpassenden Zeiten, zu überdauern.

Es ist schon schlimm genug was den Hunden durch ihren Funktionsverlust angetan ist, da braucht man nicht noch die FCI und deren Anhänger, die immer weiter versuchen, Hunderassen und Hundetypen zu zerstückeln, um sich so möglichst viele autarke moderne Rassen zu verschaffen bzw. zu kreieren…

Der genetischen Vielfalt, der Gebrauchsfähigkeit und der Gesundheit steht dies immer nur im Wege…

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Ihr

Arne Pohlmeyer

(30.03.2009)

 Besten Dank an unseren Freund Antonio, Muchas Gracias Antonio!

Update:

Zu Beginn des Jahres 2010, folgten wir einer Jagdeinladung, die uns in die ursprüngliche Region der “Villanos de las Encartaciones” führte.  War dieser Artikel (übrigens der erste deutschsprachige Artikel zu dieser Materie) hier bislang zwar als fundiert aber doch nur als theoretisch anzusehen, haben wir jetzt jede Menge neue Erfahrungen und vor allem wichtige Informationen aus erster Hand sammeln können. Während dieser erwähnten Jagdreise, im Norden Spaniens, lernten wir DEN Experten der Rasse kenne. Seine Familie hält diese spanischen Packer bereits seit vielen Generationen, bzw. solange das „Familiengedächniss“ reicht. Die Hunde arbeiten an die (halb-)wilden Rinderherden und werden auch seit geraumer Zeit erfolgreich auf der Schwarzwildjagd geführt. Die echten, authentischen Linien befinden sich fest in der Hand der reinen Praktiker. Die Hunde werden nur zum Eigengebrauch gezüchtet. So werden diese Blutlinien bewahrt wie Schätze und nur innerhalb der Familie oder an gute Freunde weitergereicht.   

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Was für uns sehr aufschlussreich war, ist die Tatsache, dass „unser neuer Freund“ auch DER Ansprechpartner für die „Rekuperateure“ des  modernen Alano Espanol war. Er war sozusagen der „Reiseführer“ in das „geheime“ Tal im spanischen Norden.

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Die beiden gestromten Hunde sind Villanos aus dem Stamm unserers “neuen Freundes”. 

Die Bilder stammen aus seiner privaten Stierarena und nicht etwa aus Südspanien was 

wohl vielevermuten. Der falbe Rüde ist ein bekannt gewordenen (unter anderen durch diese Bilder) “Alano Espanol Moderno”-Rüde, 

der zur Ausbildung zu ihm gegeben wurde.

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So gut wie alle der bekannten „reinen Alanosöhne“ die zu Beginn in die moderne Alano Espanol Zucht eingeflossen sind, waren ihm bekannt oder wurden durch seine Hilfe erworben.   

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Er wusste sogar mehr oder weniger genau die Mischungsverhältnisse dieser Hunde. Einige bekannte „Alano Espanol Moderno Grundbausteine“ waren z.B. Mischlinge seiner Villanos mit modernen Presa Canarios, andere führten Blut bekannter deutscher Boxer und einige waren tatsächlich reine Villanos de las Encartaciones.

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Wie es uns (zum Teil nicht ohne eine gewisse Problematik) schon immer bei den Söhnen des historischen Alano verfolgt, gibt es hier in den Bergen auch eine Reihe Namensvarianten für den spanischen Packerhund. Zum Teil bin ich ja schon weiter oben in diesem Artikel, auf die Namensvarianten eingegangen. Doch da auch gerade aus dem Lager dem neuen „Alano Espanol Moderno FCI-Lager“ heraus auch wieder einige verwirrende Namenslogiken geäußert wurden, will ich hier kurz ein wenige zum Namensverständnis beitragen.

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Spanien ist in sich kein wirklich geschlossenes Land, keine wirkliche Einheit. Es gibt unzählige Dialekte (die einige sogar als eigene Sprachen betiteln), es ist reich an Kultur, aber eben auch an zum Teil grundverschiedenen kulturellen Ausrichtungen. Einige (als Beispiel seien hier die Basken erwähnt) wollen sogar die Abspaltung vom spanischen Staat und plädieren für verschiedene, autonome Gebiete. Jetzt könnte man meinen dass dies doch überhaupt nichts mit dem Thema Hund zu tun hat…, dies hat es auch nicht, aber andersherum beeinflusst es die Hunde und vor allem die Namensgebung.

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Darüber dass die älteste Doggenform in Spanien (und Portugal) schon seit (ohne eine genauer zu bestimmenden Ursprungszeit) dem Mittelalter bekannt und existent war als Alano bezeichnet wurde, sind sich alle ernstzunehmenden Kynologen einig. Es wird allgemein vermutet, dass Ursprung des Namens in einer Ableitung von dem Volkstamm der Alanen herrührt. Von der Beutung hat es die Bedeutung einer Dogge im Allgemeinen angenommen. So sprechen in Spanien auch heute viele von anderen Alanos wie z.B. vom Alano Alemán (der deutschen Dogge) etc. .

Zu dem Wort Dogge (Alano) gesellte sich dann relativ früh die Funktionsbezeichnung Perro de Presa (Hund zum Packen), etwas später wurde das Wort Alano häufig auch durch das Wort Dogo ersetzt. Alle diese Namen bezogen sich auf den gleichen Hund, den wir als Typ der iberischen Dogge definieren können.  

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Diese iberischen Doggen unterlagen natürlich auch einer regional unterschiedlichen Selektion. So züchtete z.B. der nordspanische Rinderzüchter in den Bergen einen leichteren und wendigeren Typ als dies zum Beispiel bei den Stierkämpfern aus Madrid der Fall war. Auch wurden sicher die rein jagdlich geführten Alanos wohl nach einem etwas anderen Zuchtziel selektiert, als die Kriegshunde der Konquistadoren (die den Grundstein der kanarischen Doggenzucht bildeten). 

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Doch selbstverständlich handelt es sich um ein und denselben Hund. Hunderassen im modernen Sinn gab es noch nicht, doch trotzdem kann man die Hunde als eine reine Einheit bezeichnen, die in einer sicherlich nicht unbeachtlichen Typenvielfalt vorkam. Diese Einheit wurde in der modernen Zeit durch das allmähliche Aussterben der Alanos zerstört. Durch fortschreitende Industrialisierung in vielen Teilen Spaniens, war das Überleben der Packerhunde nicht mehr durch ihre Arbeits-Notwendigkeit gesichert. So führte es dazu dass sich der historische Alano  nur in einzelnen (zum Teil weit auseinander liegenden) Regionen erhalten hat. Dieses „Inseldasein“ führte nachvollziehbar natürlich zu einer Zerschlagung dieser „Rasse-Einheit“.   Ein Zuchtaustausch fand natürlich nur noch in Einzelfällen statt, da einfach die flächendeckende Verteilung der Hunde unterbrochen war…

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Übersetzter Artikel-Auszug aus einem deutschen Hundemagazin 

von Sanz Timón (Spezialrichter für spanische Rassen, Tierazt und Jäger)

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Neben der zum Teil recht einseitigen streng regional geprägten Selektion der Alanos, kamen natürlich auch immer mehr regionalgeprägte Namensvarianten auf. 

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Des Weiteren wurden auch viele Alanos, in ihren abgespalteten Alanoregionen mit neuen modernen Hunderassen vermischt, so dass man sie nur noch als Söhne der echten, historischen Alanos bezeichnen kann.  

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So hinterließ die historische Iberische Dogge, der alte Alano in Spanien Nachfolgerassen wie z.B. den Ca de Bou (Alano Malorquin) auf den Balearen, den Dogo Canario (Presa Canario) auf den Kanaren und den Villano de las Encartaciones (Alano de las Encartaciones).

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Der historische Alano hinterließ auch im Ausland seine Spuren, doch hier wollen wir diesmal nur auf Spanien eingehen. 

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Die moderne spanische Hunderasse des „Alano Espanol FCI“ ist im Gros ein modernes „Rückführungsprodukt“ aus verschiedenen Alano-Nachfolgerassen und einigen anderen modernen Rassen wie z.B. dem Deutschen Boxer. (Lesen Sie auch diesen Artikel zum Alano Espanol Moderno, klick hier).  Ähnliche Rückführungsideen gibt es (international) auch bei anderen Rassen als Beispiel sei der „Olde English Bulldog“ erwähnt, der ebenfalls nicht alt ist, aber versucht alte „Werte“ zu verkörpern…

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Von den drei erwähnten und für uns überaus wichtigen Alanosöhnen, die da wären:

-Dogo Canario (Perro de Presa Canario)

-Dogo Marlorquin (Ca de Bou / Presa Marlorquin)

-Villano de las Encartaciones (Presa Encarto)

werden nur noch zwei mit Fug und Recht als Alanowertvoll bezeichnet und zwar der Perro de Presa Canario (Dogo Canario) und der Presa Encarto.

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Der Dogo Canario stammt in seinem reinen Ursprung von den Kriegshunden, den Alanos die die spanischen und portugisischen Eroberer mit auf die Kanaren brachten. Masn muss aber einräumen, dass es in moderner Zeit auch mehr oder weniger bedeutende Einkrezungen, mit Fremdrassen (wie z.B. Bardino Majorero, Deutsche Dogge, engl. Bullterrier etc.) gab, die aber nicht die gesamte Rasse verändert haben, bzw. nicht in allen Linien starken Einfluss nehmen konnten. Der Presa/Dogo Canario stellt eine etwas (zum Teil auch deutlich) schwerer gezüchtete Form des alten Alano dar.  

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Alano 1905 und Dogo Canario 2001

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Unvermischter, alter Perro de Presa Canario (Alano Canario) und aktueller AVD e. V.-Dogo Canario

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Der Dogo Marlorquin, oder Alano Malorquin wie er noch vor einigen Jahren von spanischen Kynologen bezeichent wurde, ist heute kaum mehr als eine verkrüppelte Karrikatur des historischen Alano. Da die Alanos, die Ochsenhunde(Ca de Bou) dort so massiv mit modernen Ausstelungs-English Bulldogs vermischt wurden, dass man nur schwerlich noch gesunde und arbeitsfähige Hunde finden kann. Der „Zug“ ist für den Dogo Marlorquin wohl leider endgültig abgefahren…

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Alter Alano Malorquin und moderner Ausstellungs-Dogo Malorquin

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Der „Presa Encarto“ wird in seiner Region, von seinen wenigen Züchtern  meistens als „Villano de las Encartaciones“ bezeichnet. Die Züchter achten expizit auf wenidie, laufstarke und „gebirgstaugliche“ Zuchttiere. Die heute eher ungewollten schwereren Schläge, der gleichen Rasse, werden als „Presa Chato“ bezeichnet. Die Verfechter des modernen Alano Espanol, weisen daraufhin, dass der reine Teil ihrer Hunde, auf diese Packer aus dieser „vergessenen“ Region zurückgehen. Aus politischen Gründen favorisieren sie allerdings die Namensgebung „Alano de las Encartaciones“ oder „Presa de Chato“ und vermeiden die Titulierung „Villano de las Encartacions“.  Interessant ist, dass gerade dieser Hundeschlag, wohl die wenigsten Einkreuzungen fremder Rassen erfahren hat und somit für viele Experten als reinster Nachfolger der historischen Alanos angesehen wird. Dies ist wohl auch berechtigt, doch muss deutlich angemerkt werden, dass die Packer in dieser Region sehr einseitig auf wenig Gewicht und hohe Laufstärke gezüchtet wurden. Dies ergibt meist ein Resultat (was nicht durch Vermischung entstanden ist) von einer sehr leichten Form des alten Alanos. Hunde zwischen 30 und 35kg.  (Zum Thema Gewicht des historischen Alano, lesen Sie auch bitte folgenden Artikel, klick hier).

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Alte Alanos aus einer Jagdmeute und aktueller Villano de las Encartaciones

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“Presa Chato”

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Für unsere Zucht im AVD e.V., werden die (mühevoll ausgesiebten) funktionsfähigen  und leistungsstarken Exemplare der modernen Hunderasse Dogo Canario (Presa Canario) zur Zucht verwandt.  

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Alter, traditioneller Rassevertreter der Kanaren und aktueller AVD e.V.-Deckrüde 

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Wir sind aber auch stolz erwähnen zu können, dass wir die ersten Deutschen sind, die einen echten „Villano de las Encartaciones“ ihr Eigen nennen können. Uns wurde der Respekt und die Ehre zu Teil einen Hund direkt vom „Altmeister“ überreicht (geschenkt) zu bekommen. Sonst gibt er seine Hunde nur in seinem direktem Umfeld ab, niemals zuvor aber ins Ausland und noch nicht einmal an fremde spanische Jäger. Wie bereits erwähnt werden diese Blutlinie streng und elitär bewahrt. Wir werden diesen Villano de las Encartaciones jagdlich führen (dies war sozusagen auch eine Auflage) und werden seine Entwicklung interessiert verfollgen und gegebenenfalls von dieser Stelle weiter berichten. (Lesen Sie auch diesen Bericht über unsere Jagdreise Anfang 2010, Öffnet einen internen Link im aktuellen Fensterklick hier).

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Muchas Gracias Antonio y Titto

Arne Pohlmeyer

12.06.2010