Der spanische Alano in Italien

Der spanische Alano in Italien

 

 

 

 

 

Hier veröffentlichen wir  nun den ersten Artikel unseres Vereinskameraden Tim Barche (AVD e.V.-Zuchtzwinger „Eldorado“). Dieser Artikel befasst sich mit einem sehr interessanten und auch wichtigen Thema, dem Alano in Italien.

 

 

Bevor wir zu dem Artikel kommen möchte ich noch eine kurze Einleitung bzw. eine kurze Anmerkung verfassen.

 

 

Anmerkung:

 

 

Timm Barche stellt in dem nachfolgenden Artikel sehr schön heraus, dass der alte Doggenschlag, den auch wir züchterisch immer noch anstreben, durch die Spanier erst in Italien eingeführt wurde.

Er bezieht die modernen FCI Hunderassen Mastino Napoletano und Cane Corso ein. Der Mastino Napoletano stellt eine italienische Doggenform dar, die erst in den 1940er geschaffen und aus verschieden modernen Hunderassen zusammen gemischt wurde. Keinesfalls handelt es sich beim Mastino Napoletano aber um eine altrömische Kampfhunderasse.

 

 

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Der Cane Corso wiederum, stellt ebenfalls eine moderne Hunderasse dar, die zwar noch sehr viel Blut der alten spanischen Presas (Alanos) führt, aber leider im großen Rahmen (von Ausstellungszüchtern) mit Fremdrassen vermischt wurde.

 

(Moderner Cane Corso)

 

Weitere, hin und wieder auftauchende, italienische Doggenformen oder Namensgebungen, wie z.B. Dogo Sardo, Bucciriscu Calbrese, Mezzolevrino, Brachiero Sicliano, Bucciriscu Calabrese etc., läst der Autor bewusst und zu Recht aus , da es unmöglich erscheint, Fantasie, Abstammung, reine Namensvarianten und eine eventuelle Reinheit zu erkennen bzw. zu belegen.

 

 

Am interessantesten erscheint es mir, dass Timm Barche hier auch Quellen und Namen (als lose Beispiele) von geachteten Kynologen benennt die ebenfalls bestätigen, das die spanischen Alanos (Presa) in Italien eingeführt wurden, was auch das, eindeutig spanische, Wort „Presa“ belegt.

Eine Reihe weiterer hochrangiger Kynologen (auch deutscher) wie z.B. Ludwig Beckmann bestätigen dies. Ludwig Beckmann der 1895 die Italienischen und Spanischen Doggen in einem Kapitel zusammenfasst und sie ebenfalls gleichbedeutend als Presa sowie als Alano bezeichnet und anmerkt dass er davon ausgeht, dass sich im italienischen das Wort Alano (Alan) für eine Dogge im allgemeinen in Anlehnung an den spanischen Alano erhalten hat.  (Übrigens kennt auch Beckmann ebenso wohl, schon den Synonymnamen Dogo zum Alano).

In unserer heutigen Zeit haben sich einige wenige spanische Presa-Stämme in Italien erhalten. Doch nur der Experte versteht es sie vom modernen Cane Corso zu unterscheiden.

 

(Alter “Presa” in Italien)

 

 

Auch gab und gibt es immer wieder neue ital. Importe aus Spanien und von den Kanaren.

 

 

 

(Bitte lesen, aus unserem Artikel “Anfang der Deutschen Zucht”)

 

 

(nicht lautere Absichten…)

 

(“Canario” in Italy)

 

(Italienischer é Presa oder Cane Corso?!)

 

 

 

 

(“Canarios” in Italy)

 

Diese Zeilen habe ich nur zur weiteren Verdeutlichung angeführt.

 

  1. Pohlmeyer

 

Nun aber viel Spaß beim lesen des Artikels:

 

 

 

 

Der spanische Alano in Süditalien von Timm Barche

Wenn man über den Alano in Italien sprechen möchte, muss man sich zwangsläufig mit zwei in Italien beheimateten Doggenschlägen auseinandersetzen dem Cane Corso und dem Mastino Napoletano.

 

Mit letzterem wollen wir beginnen. Der Mastino Napoletano wird gerne als altrömischer Kampfhund bezeichnet, was so mit Sicherheit nicht korrekt ist, da die meisten Quellen aus dem alten Rom eher auf einen Hirtenhund ähnlichen Hund schließen lassen.

 

(Früher Mastino Napoletano)

 

Selbst der Mastino „Pabst“ W. Weisse schreibt, das wohl mehrere Rassen an der Entstehung des heutigen Mastinos beteiligt waren, unter anderem eine blaue Deutsche Dogge um 1930 die die ersten einfarbig blauen Mastino Napoletanos produziert haben soll.

 

Des Weiteren schreibt er, dass der moderne Mastino das Werk eines einzigen Mannes, Dr. Piero Scanziani, ist.

Vor Dr. Piero Scanziani gibt es keine Quellen die auf einen Hund wie den Mastino Napoletano schließen lassen. Allerdings gibt es sehr wohl Nachweise für einen etwas kleineren oft als rot oder gestromt beschriebenen kampftriebstarken Doggenschlag.

 

Dieser Doggenschlag wurde von den verschiedenen italienischen Geschichtsschreibern als Presa, Cane e`Presa, Cane Corso oder Mastin(o) bezeichnet. Die Bezeichnung Mastin(o) führte zu vielen Fehldeutungen der historischen Quellen durch Anhänger der modernen Rasse Mastino Napoletano.

Diese Anhänger meinten ihren modernen Mastino wieder zuerkennen, auch wenn diese Quellen von einem Hund um die 45 kg sprachen und ihn eben als immer rot oder gestromt darstellten.

 

 

Die erste Erwähnung des „Cane Corso“ ist um das Jahr 1550 zu datieren, dort erwähnt der italienische Dichter Crasmo Valvasone ihn in einem seiner Werke und lobt seine Kraft , Härte und seinen festen Griff.

Diese erste Erwähnung ist deshalb sehr interessant da Süditalien von 1503 bis 1738 (über zwei Jahrhunderte!!!) zu Spanien gehörte und vom spanischen Vizekönigen regiert wurde.

 

 

Von den Spaniern weiß man sehr genau, dass sie (wie z.B. auch nach Südamerika) ihren Alano („Presa“) in großer Zahl mit nach Italien nahmen.

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Nach dem Jahr 1550 gibt es regelmäßige Erwähnungen durch Schriftsteller und Maler, die sehr genau den Alano („Presa“) beschreiben bzw. zeigen.

An dieser Stelle möchte ich kurz den Autor Holzheimer zitieren, der in seinem 1926 erschienenen Buch “Natürliche Rassengeschichte der Haussäugetiere” zu ähnlichen Schlüssen kommt. Zitat Holzheimer: „…die klassischen Völker, Griechen, Römer scheinen ursprünglich die eigentlichen Doggen nicht gekannt zu haben, an ihrer Stelle hielten sie Hunde vom Typ Canis Familiaris Inostranzewi(Hirtenhunde)…“.

 

 

 

Auch der Kynologe Holzheimer war der Meinung, dass die italienischen Doggen neuere Importe sind, und weist auf die Verwandtschaft zwischen der Kalabrischen Dogge und dem Spanischen Mastin hin, (soviel zu dem Thema “was Großvater noch wusste”).

 

 

Der angeführte spanische Mastin ist hier natürlich nicht der Mastin Espanol, der ja auch ein Hirtenhund (Herdenschutzhund) wäre, sondern die klassische spanische Dogge der „Spanische Alano“.

(Der Name Mastin, Mâtin oder Mastino beschreibt seit jeher nur einen doggenartigen Hund im allgemeinen).

 

Auch die im italienischen übliche Bezeichnung (Cane e’) Presa ist laut namhaften Kynologen wie z.B. Herrn Holzheimer, Herrn Räber und auch Herrn Weisse kein Zufall sondern weist deutlich auf die Abstammung vom spanischen (Perro de) Presa hin.

(Redaktionelle Anmerkung: Wie allgemein bekannt wurde die Bezeichnung „Presa“ wie auch die Bezeichnung „Alano“ identisch verwandt. Das italienische Wort „Cane“ sowie das spanische Wort „Perro“ steht wiederum nur für das deutsche Wort „Hund“).

 

Nun sollte man allerdings nicht annehmen, dass wir im modernen Cane Corso (nach FCI) einen reinen Alano Sohn gefunden haben, denn dieser moderne Cane Corso, wie man ihn zuhauf auf Hundeausstellungen sehen kann, hat heute nicht vielmehr mit dem Alano gemein als der Mastino Napoletano.

 

 

(heutiger Cane Corso)

 

Bedingt durch Selektion auf äußere Merkmale und Einkreuzungen verschiedener Rassen wie z.B. Deutscher Boxer, Mastino Napoletano, Deutscher Rotweiler und andere ist der moderne Cane Corso für die (Presa-) Alano-Zucht nicht weiter relevant.

 

Es gibt aber auch heute noch (wenn auch in sehr geringer Population) in Süditalien Familien die diese Einkreuzungen nicht mitgemacht haben, seit Generationen ihre “Presa” rein Züchten und sie zur Arbeit an den Rinderherden benutzen.

 

 

(Perro de Presa / Cane é Presa)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Also ist der Alano in Italien (noch) nicht ausgestorben und konnte in seinen alten Aufgabengebieten als Wachhund, Schutzhund und als Bändiger für Rinder in wohl recht reiner Form überleben.

Timm Barche

09.12.08