Der Dogo Argentino

Der Dogo Argentino ist eine von der FCI anerkannte moderne Hunderasse, die ebenfalls in direkter Linie von den alten spanischen Alanos abstammt. Die spanischen und portugiesischen Doggen gelangten im Zuge der Eroberung von Südamerika in die neue Welt.

(Lebrells)

Neben einigen Jagdhunden und Jagdhund-Kapfhunde-Kreuzungen, den so genannten Lebrells, führten die Eroberer Doggen mit, die sie für Kriegszwecken sowie zur Unterjochung der einheimischen Urbevölkerung verwandten. Diese Doggen wurden in großer Zahl nach Amerika gebracht. Je nach Ursprungregion wurde diese Iberische Dogge als Alano, Perro de Presa oder Mastin bezeichnet.

In der heutigen Zeit gibt es einige die unter der Bezeichnung Mastin ausschließlich den Mastin Espanol vermuten, was aber nach aller Wahrscheinlichkeit eine fehlerhafte Ableitung bzw. Übersetzung wäre. Das Wort Mastin wurde damals mit dem Wort Alano gleichgesetzt und eben für die gleichen Doggen verwandt.

Auch ist der enorme Bedarf an Kampf- bzw. Kriegshunden vereicht, doch die Notwendigkeit Herdenschutzhunde (oder Vorläufer der heutigen Herdenschutzhunde in diesem Fall den Mastin Espanol FCI) mit sich zu führen würde sich nicht erklären.

Diese Alanos also blieben auch in Argentinien lange nach der Eroberung erhalten. In der Stadt bzw. Provinz Córdoba, im Norden Argentiens, entwickelte sich ein mehr oder weniger einheitlicher Typ dieser spanischen Doggen, die für die Belustigung der Zuschauer, auf die Eigenschaft eines Hundekampf-Hundes selektiert wurden. In diese, eigentlich reinen spanischen Alanos, wurden etwas später auch “Bull & Terrier“ eingekreuzt.

Diese Hunde wurden zu diesem Zeitpunkt überwiegen für Hunde- und Schaukämpfe herangezogen.

Von diesem Hundekampf-Spezialisten inspiriert und angezogen befasste sich die Familie Martínez züchterisch mit diesen Hunden. Sie wollten aber keinen Hundekampf-Experten züchten, sondern einen Jagdhund auf wehrhaftes Wild wie Großkatzen und Schwarzwild.

Nach der Abwägung aller Quellen, mit ihren zum Teil doch sehr unterschiedlichen Aussagen, muss man davon ausgehen, dass in die vorhandenen Doggen spanischer Prägung, weitere englische Bullterrier (Hinks Bullterrier / frühen Typs) sowie einige englische Pointer  eingekreuzt wurden.

Die Doggen (Alanos) kamen in nahezu allen Farbschlägen vor, wobei die Familie Martinez Hunde mit großen weisen Abzeichen und Platten bevorzugt verwendet haben soll. Auch die Bullterrier (damals nur in rein weis) und der englische (weise) Pointer sorgten weiter dafür das die Nachzuchten sehr schnell weiß mit nur noch wenigen dunklen Abzeichen wurden.

Nores Maritnez

Es ist häufig zu finden, dass die “Farbe“ Weiß deshalb der Familie Martinez so wichtig erschien, da man die Hunde bei der Jagd besser erkennen könnte, sozusagen eine Warn- bzw. Signalfarbe. Dies klingt zwar relativ logisch, kann bei genauerer Betrachtung der Fakten aber mit Fug und Recht auch angezweifelt werden. Wenn man überlegt, dass mit dem „farbigen“ Vorläufer dieser Hunde in Spanien bereits seit langer Zeit die Schwarzwildjagd praktiziert wurde und dass es z.B. bei uns in Deutschland eine Reihe von Jagdhunden gibt, die sogar wildfarbend gezüchtet werden, ist es schon mehr als merkwürdig, dass nur die Familie Martinez die Wichtigkeit (Sicherheit) der „weißen Farbe“ erkannt haben soll. Als wahrscheinlicher Stufe ich hier die Theorie ein, dass die Familie einen “Weißen-Hund“ haben wollte, einen Hund der an die weiße Hautfarbe der herrschenden Herrenschicht erinnert. Also doch eher rassistisch motiviert denn jagdlich? Es wird sicher nie hundertprozentig geklärt werden können, doch ich für meinen Teil würde mehr auf diese Theorie geben.

 

Die Familie Martinez züchtete diesen Hunde, den sie den Namen Dogo Argentino gaben, in relativ kurzer Zeit recht homogen (natürlich mit gewissen Typschwankungen, die man auch heute immer noch erkennen kann). Die Hunde sollten bei der Jagd auf Wildschwein und Puma ihre Qualitäten beweisen. Die neue „Rasse“ Dogo Argentino erhielt recht schnell eine hohe Popularität in Argentien und wurde von vielen Jägern verwendet und geschätzt.

Neben der jagdlichen Tauglichkeit als kompromissloser Packer, (die übrigens auch häufig als eine Art Zuchtprüfung in kleinen Gattern durchgeführt und unter Beweis gestellt wurde), sollte der Dogo Argentino laut seinen Begründern auch als wehrhafter Schutz- bzw. Wachhund seinen Mann stehen.

“Gatterüberprüfungen in Argentienen”

“Alano” (Perro de Presa)

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“Alano” (Presa)

“Englischer Bullterrier alten Typs”

 

(Englischer Pointer)

Zusammengefasst kann man den Dogo Argentino als einen überwiegendend reinen Alanosohn bezeichnen der mit Bullterrierblut aufgebaut und mit etwas Poniterblut vollendet wurde. Einkreuzungen von weiteren Rassen, die eventuell auch ihren Weg in den Zuchtpool  des Dogo Argentino fanden, waren nach aller Wahrscheinlichkeit so gering, dass man sie getrost vernachlässigen kann. Trotzdem wurde versucht der Nachwelt weis zu machen, der Dogo Argentino wäre ein Mischling aus einer großen Anzahl, von vollkommen unterschiedlichen FCI-Hunderassen. Dies wäre in der doch kurzen Zeitspanne überhaupt nicht zu bewältigen gewesen und scheint eher ein Versuch gewesen zu sein, das Zuchtprogramm des Dogo Argentino zu verschlüsseln.

Heute repräsentiert der Dogo Argentino eine nahe Alano-Nachfolgerasse, die im anatomischen Typ dem alten schwarzwildjagenden spanischen Alano sehr nahe kommt. Von der Form, Größe und Gewicht passt er ziemlich exakt in die Schablone die uns von diesen alten spanischen Doggen überliefert ist. Rein von seinen anatomischen Eckdaten ähnelt er den alten Alanos bald mehr als die Exemplare, die wir bei den modernen FCI-Schönheits-Züchter von Dogo Canario und Alano Espanol heute häufig vorfinden.

 

Natürlich gibt es bedingt durch die Schönheitszüchter, die sich reihenweise auf den armen Dogo Argentino gestürzt haben auch einige erwähnenswerte Typschwankungen bzw. Unterschiede. Bei den Jägern findet man  z.B. häufig Hunde mit einem Gewicht um die 40 kg, bei vielen Schönheitsausstellern sieht man wiederum Hunde die Teilweise die 60 kg Marke überschreiten. Der von der FCI anerkannte Standart für den Dogo Argentino schreibt übrigens ein Maximal-Gewicht von 45 kg vor (!), doch wie so häufig scheren sich die  FCI-Richter nicht um den Standart, geschweige denn um die ursprüngliche Funktion, der jeweiligen Hunderasse…

 

 (Bei den argentienischen Jägern findet man häufig besser pigmentiere D.A.’s als bei den Schönheitszüchtern).

Ein großes Problem des Dogo Argentino, ist das immer noch an der Zucht von reinweißen Hunden festgehalten wird (Nur dunkle Kopfabzeichen sind erlaubt). Diese „weiß x weiß“-Zucht für zwangsweise zu massiven gesundheitlichen Problemen, wie zum Beispiel Allergien, schweren Hautkrankheiten und häufiger Taubheit. Probleme die z.B. auch bei der Zucht der früheren weißen Bullterrier gehäuft auftraten. Beim engl. Bullterrier wurde, durch die Verwendung von farbigen Hunden, diese Probleme weites gehend eingegrenzt. Beim modernen Dogo Argentino fehlt es den Verantwortlichen hierfür wohl an Weitsicht, Einsicht oder am nötigen Verantwortungsbewusstsein für ihre Rasse…   

Neben der Verwendung als Jaghund, wurde anhand von Fotografien und Kurz-Videos (die mir vorliegen) versucht das internationale Ansehen des Dogo Argentino als Dienst- und Gebrauchhund zu steigern. Auf diesen Aufnahmen kann man den Dogo Argentino als Rettungshund, als Polizeihund, als Militärhund und als Blindenhund bewundern – Leider stellte sich heraus, dass die Aufnahmen nichts weiter als ein gestellter Marketing-Schwindel waren.

Durch die große internationale Popularität die der Dogo Argentino, zumindest zeitweise, hatte ist es selbstverständlich möglich, ja fast wahrscheinlich, dass es mittlerweile auch Dogo Argentinos  gibt die zumindest ähnliche Aufgaben erfüllen oder erfüllt haben.

Der Dogo Argentino hat sich auch in vielen europäischen Ländern mehr oder weniger umfangreich etabliert. Das größte Aufkommen gab es hier in Holland, Österreich, Polen und Jugoslavien, aber auch bei uns in Deutschland gab es eine Zeit lang relativ viele Züchter, die aber Aufgrund der willkürlichen “Kampfhundeverordnungen” und schlechtem Welpenabsatz häufig wieder die Segel strichen.

(Schöner Dogo Argentino aus Österreich, HF: & Eigent.:  Wolfgang H.)

Leider steht der Dogo Argentino in vielen Ländern auf den so genannten „Kampfhundelisten“ und seine Besitzer werden dort durch Haltungsvorschriften und erhöhte Steuersätze schikaniert.

Zum Wesen und Charakter der heutigen Dogo Argentinos sei angeführt, dass es immer noch eine große Zahl an schwarzwildtauglichen Hunden gibt, die somit noch eine alanotypische Funktion voll erfüllen. Im Schutzdienst wiederum gibt es nur eine äußerst geringe Anzahl von Hunden die hierfür tauglich erscheinen. Die meisten Dogo Argentions zeigen zu wenig „Mut“ dem Menschen gegenüber.

Die die im Schutzdienst arbeiten, sind dabei meistens eher unsicher und überaggressiv. Deshalb ist er auch eher als territorialer Wächter denn als echter Schutzhund zu gebrauchen. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Gegenüber anderen Tieren, leider auch anderen Hunden, zeigen sich der Dogo Argentino häufig recht dominant und angriffslustig. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel).

In der Familie wiederum ist der Dogo Argentino meist ein liebevoller und treuer Hausgenosse.

Trotzdem würde ich sagen, ist er kein Hund für Jedermann, er gehört eigentlich nicht in die Stadtwohnung sondern in die Hände von Jägern.

Im Resümee kann man den Dogo Argentino mit Fug und Recht als echten Alano-Sohn bezeichnen, der in vielen Punkten mit den alten spanischen Alanos nahezu übereinstimmt.

Arne Pohlmeyer